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Edita Gruberova, 1946 in Bratislava geboren, stand gut 50 Jahre lang auf der Bühne.
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Edita Gruberova, 1946 in Bratislava geboren, stand gut 50 Jahre lang auf der Bühne.

Nachruf auf Edita Gruberova

Edita Gruberova ist tot – Die Entflatterte

  • VonStefan Schickhaus
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Die Sopranistin Edita Gruberova ist 74-jährig gestorben – eine, nein: die Legende des Belcanto.

Rieselnde Rosenblätter von oben, Blumensträuße von vorne, dazu eine Applauskulisse über 50 Minuten hinweg: Am 27. März 2019 hatte die Sopranistin Edita Gruberova ihre Opernkarriere beendet, mit ihrer Paraderolle der Königin Elisabetta in Donizettis Oper „Roberto Devereux“. Und zwar auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper in München, ihrer Heimatbühne, auch wenn sie sich in den letzten Jahren dort von der Intendanz nicht mehr genug geschätzt gefühlt hatte. Gut 50 Minuten Jubel für gut 50 Jahre Operngesang – Edita Gruberova wurde als lebende Legende gefeiert, sie hatte gerade in München einen absoluten Kultstatus. Zweieinhalb Jahre später ist die Königin der Koloraturen in ihrer Schweizer Wahlheimat gestorben, mit 74 Jahren.

Die 1946 in der heutigen Slowakei geborene Sängerin war die ideale Zerbinetta, 100 Mal sang sie diese so anspruchsvolle Strauss-Partie alleine in Wien. Sicher 150 Mal stand sie als Königin der Nacht auf den Bühnen, hier war sie so unerreicht wie als Lucia di Lammermoor, 200 Vorstellungen widmete sie allein dieser wohl bekanntesten Belcanto-Partie. Überhaupt, Belcanto war ihr Fach, sie setzte sich bis zuletzt dafür ein, dass mehrere noch vor einigen Jahrzehnten ziemlich unbekannte Opern Donizettis und Bellinis wieder aufgeführt wurden, wie zum Beispiel „Maria Stuarda“, „Beatrice di Tenda“, „Anna Bolena“, „Roberto Devereux“ oder „Linda di Chamounix“. Oder noch 2015 Bellinis „La straniera“.

Zu Beginn ihrer Karriere war unter anderem auch Mozart ihr Zuhause, „ich habe ihn wahnsinnig gerne gesungen – vor allem auch mit Harnoncourt, da habe ich viel Neues gelernt“, so Edita Gruberova 2012 im FR-Interview. Doch sie wusste auch: „Mozart ist überhaupt immer das Schwierigste.“ Nikolaus Harnoncourt jedenfalls bedauerte ihren zunehmenden Mozart-Verzicht. „Sie ist entflattert im Belcanto. Ich stehe am Boden, sehe sie da ganz oben und sage: Komm heim zu Mozart.“ Denn auch er schätzte Gruberova nicht nur, aber auch wegen ihrer einzigartig beweglichen Stimme. Sie sei die „heute wahrscheinlich einzige Sängerin, die Koloraturen nicht als Sport betreibt, sondern als Ausdrucksmittel“.

Gab es nie die Anfechtung, weiter ins dramatische Fach vorzudringen? „Es kamen große Dirigenten, die mir ernst gemeinte Angebote machten, etwa die Kaiserin aus ‚Die Frau ohne Schatten‘ von Strauss zu singen, die Salome oder die Aida. Sie sagten, ich müsse das ja nicht auf der Bühne singen, sondern nur für Platte. Aber das Orchester, dieses riesige Strauss- oder Verdi-Orchester ist das gleiche. Davor hat mich mein gesunder Verstand zum Glück bewahrt. Und deswegen kann ich heute noch Belcanto“, so Edita Gruberova im Interview.

Diese zeitlose Stilsicherheit

Ja, vor ewiger Zeit, erklärte sie, habe sie einmal davon geträumt, die Leonora im „Troubadour“ zu singen – „ohne zu ahnen, was das bedeuten würde! Wie schwer das ist! Das sind zwar viele Koloraturen, aber auch ein solcher Drive, ein solches Orchester!“ Bei Donizetti und Bellini dagegen habe sie sich immer wohl gefühlt, Montserrat Caballé war da ihr großes stilistisches Vorbild gewesen.

Diese immer junge Stimme. Diese Beweglichkeit. Diese zeitlose Stilsicherheit. Presse und Publikum begannen sich irgendwann zu wundern, warum dieser Edita Gruberova, die 1970 als 23-Jährige gleich mit der Königin der Nacht an der Wiener Staatsoper debütiert hatte, die Zeit so rein gar nichts anzuhaben schien. Aber wann setzte das ein, das Wundern? „Das war wohl bei meinem ‚Norma‘-Debüt“, schätzte die Sängerin selbst. „Die Norma war der logische Höhepunkt meines Weges, und 2005, also relativ spät war ich dort dann angekommen. Es wurde eine sehr helle, leichte Norma, gegen alle eingemeißelten Hörgewohnheiten.“ Da war sie schon fast 60 – es würde wundern, wenn sich manche nicht schon früher gewundert hätten.

Die Frau mit dem Herz am rechten Fleck und der gerne undiplomatisch-direkten Art sagte es 2012 im typischen Gruberova-Ton: „Mir macht es einfach wahnsinnig Spaß, wenn ich mit meinen 65 Jahren hinauf zum hohen ‚es‘ singe und keinerlei Problem damit habe.“ Ob da auch Stolz dabei sei, wurde sie gefragt? „Nennen wir es Zufriedenheit. Eine Satisfaktion. Weil mir als junger Sängerin schon oft der Vorwurf gemacht wurde, eine kalte Technikerin zu sein. Jetzt habe ich das Handwerkszeug, eine Emotion ganz gelassen in eine Koloratur, eine Verzierung hineinfließen zu lassen. Weil ich über Technik nicht mehr nachdenken muss.“

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