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Aki Takase und Alexander von Schlippenbach.

Sendesaal

„Echoes of Ellington“ mit der hr-Bigband - Ein Geist, der nicht altert

  • vonStefan Michalzik
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Die hr-Bigband kann nach langer Unterbrechung ihr fabelhaftes Duke-Ellington-Programm auf die Bühne bringen.

Einen Kosmos in der Jazzgeschichte stellt das Werk von Duke Ellington dar. Bis heute ungebrochen in aller Ohren sind die großen Nummern seines Orchester aus der Swing-Ära, bis zu seinem Tod 1974 jedoch war Ellington ohne Unterlass auf die Erkundung neuer künstlerischer Horizonte aus. Der Pianist stand dabei zeitlebens hinter dem Orchesterleiter und Arrangeur zurück, dabei weist etwa „Money Jungle“, 1962 eingespielt mit Charles Mingus (Bass) und Max Roach (Schlagzeug), Ellington als brillanten Stilisten am Klavier aus.

Im Sendesaal des Hessischen Rundfunks eröffnete die hr-Bigband nun ihre Saison mit dem ersten Abend des zweiteiligen Projekts „Echoes of Ellington“ – zwei Runden nacheinander mit je 200 anstelle von 800 Plätzen. Das erste Konzert mit Publikum seit einem halben Jahr und jenes Vorhaben, das Mitte März als erstes den Pandemievorkehrungen zum Opfer fiel.

Grandiose Arrangements

Nicht der Bandleader, nicht der Arrangeur, der Komponist ist es, mit dem sich die Bigband unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jim McNeely hier beschäftigt hat. McNeelys grandiose Arrangements – es ging nicht um den Ellington der Suiten, sondern praktisch durchweg um geläufige Standards wie „Mood Indigo“ oder „C Jam Blues“ – erschließen vielfältige klangsprachliche Perspektiven auf den Modernisten Ellington.

Beflügelt spielte die Band, markante Auftritte hatten Solisten wie Rainer Heute, Baritonsaxofon, Felix Fromm, Posaune, Tony Lakatos, Tenorsaxofon; Martin Auer und Axel Schlosser, Trompete, sowie Hans Glawischnig am Bass.

Zwei Arrangements steuerte Alexander von Schlippenbach bei, seinerzeit ein zentraler Protagonist der Freien Spielweise in Europa. Wer nun in seiner Lesart von „Sophisticated Lady“ und „It Don’t Mean a Thing“ Spuren jener spektakulär radikalstrukturellen Hyperenergie erwartet hat, die Schlippenbachs Globe Unity Orchestra Mitte der Sechziger ausmachte, lag falsch. Kein Grund zur Enttäuschung, das Ergebnis mehr als erlesen.

Ein denkwürdiger Abend allein schon bis zu diesem Punkt. Dann Auftritt der 72-jährigen Aki Takase, zunächst allein, später zu vier Händen mit Schlippenbach (82), ihrem Ehemann. Da schien auf einmal viel auf von einem alten Geist, der offenbar nicht in die Jahre kommt. Beinahe schon zirzensisch virtuos das kantige Stakkato, über die volle Breite der Tastatur ausgreifend, mit Anklängen an das Stride Piano zuweilen – eine Pracht für die Augen wie für die Ohren.

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