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Ebow im Mousonturm Frankfurt: Die Migrantifa auf den Straßen

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Von: Stefan Michalzik

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Jetzt im Frankfurter Mousonturm: Ebow, die auch den Machos im Rap etwas zu sagen hat. Foto: Ina Aydogan
Jetzt im Frankfurter Mousonturm: Ebow, die auch den Machos im Rap etwas zu sagen hat. © Ina Aydogan

Die Rapperin Ebow mit ihrem neuen Album „Canê“ und klaren Ansagen im Frankfurter Mousonturm.

Es geht um klare Ansagen. Einen guten Song wolle sie schreiben, hat Ebru Düzgün alias Ebow gesagt, keine Doktorarbeit. Der gute Song, der gelingt der kurdischstämmigen, in München geborenen Rapperin, die heute in Berlin lebt: Gleich ob es um Identität, die Erfahrung von Rassismus, um Queerness oder um die Liebe geht – die Texte haben einen guten Flow. Mit „K4L“ – Kanak for Life –, ihrem dritten Album, gelang Ebow 2019 der Durchbruch bei einem breiteren Publikum.

Das Setting beim Konzert im Frankfurter Mousonturm ist klassisch. Die Rapperin an der Rampe und eine Beatproduzentin, die auch als Backgroundvokalistin ihren Anteil an der Show hat, am Elektronikpult. Ebow, zuweilen auch blond, hat die diesmal schwarzen Haare zu einem Zopf geflochten, sie trägt schlichte graue Sportswear. Der unprätentiöse Auftritt lässt sich auch als Gegenentwurf zur landläufigen Hypersexyness im Mainstream-Pop lesen.

Für die Rap-Pionierinnen

So zweifelsfrei es um Party geht – „Deepness“ anstelle von Vollgas lautet die Devise im Musikalischen. „Canê“, der Titel neuen, vierten Albums, ist das kurdische Wort für Seele. Die Beats sind zumeist äußerst geschmeidig, einzelne nur haben einen mächtigen Basswumms. Fester Bestandteil ihrer Konzerte, so sagt es die 32-Jährige, ist eine medleyförmige Hommage an Pionierinnen des Raps von Salt ’n’ Pepa über Missy Elliott bis M.I.A..

Der Song „Prada Bag“ liest sich wie ein Spoken-Word-Essay zur Soziologie der Rapkultur. „Warum muss es im Rap darum gehen, wer wie viel Cash macht/Welche Marken du trägst/.../Aber wenn du in einer Gesellschaft aufwächst/Die dich immer als Mensch zweiter Klasse sieht/Immer von oben herab/Dann ist deine einzige Möglichkeit auf gleicher Augenhöhe zu stehen,/ihnen zu imponieren“. Die Titelnummer aus „K4L“ ist eine Ansage in genau diesem Sinne: „An alle Nazilehrer, die meinten/,Du wirst nie etwas erreichen‘/Hab’nen Master of Science/Wer will sich jetzt mit mir vergleichen, ey“. Den Master hat Ebru Düzgün in Architektur gemacht. Auf der anderen Seite geht es explizit um Sexualität. „Die Pussy’s good/Pussy’s real good/Und sie riecht gut und sie schmeckt good“.

Im Auftritt verwendet Ebow die Gestik des Raps und widmet dessen Inventar um. Von einer „Migrantifa auf den Straßen“ ist in „Excalibur“ die Rede, auf dem Album ein Duett mit Balbina. „Halt’ den Kopf frei und Herz rein/Werd’ uns alle befrei’n, Excalibur“. Und auch die Machos im Rap kriegen was zurück – in einem ironischen Akt des queer-feministischen Konter-Omnipotenzgehabes sozusagen: „Als ob einer von euch Rappern noch ein Album schafft/Schreibe drei Hits und date deine Bitch in einer Nacht“.

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