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Duran Duran stehen voll im Saft

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Steht voll im Saft: der Sänger Simon LeBon.
Steht voll im Saft: der Sänger Simon LeBon. © dpa

Wir vermuten nichts Böses, als der Taxifahrer fragt, wer denn gleich in der Columbiahalle spielen würde. „Duran Duran“, antworten wir freudestrahlend. „Oldies, was?“, entgegnet er uns. Die Worte schmerzen ein wenig.

Von Katja Schwemmers

Als Oldie-Kombo hatten wir Duran Duran bisher gar nicht gesehen. Und sie sich selbst wohl auch nicht. Denn Duran Duran sind in ihrem stetigen Bemühen, den aktuellen Zeitgeist aufzuspüren, so etwas wie die Madonna unter den Achtziger-Bands.

Models, Moden und der Kunst zugetan

Für ihr aktuelles Album „All You Need Is Now“ arbeiteten sie mit Hipster-Produzent Mark Ronson zusammen, der seine Lieblingsband wieder so klingen lässt wie vor 30 Jahren auf den Frühwerken „Duran Duran“ und „Rio“. Models, Moden und der Kunst sind die vier verbliebenen Original-Mitglieder auch mit Anfang 50 noch zugetan, wie sie am Vorabend auf der TV-Couch des ebenso trendbewussten Neu-Berliners Thomas Gottschalk unter Beweis stellten.

Dekoriert mit Fünf-Tage-Bart

Nun also das lang ersehnte Konzert in der Hauptstadt. Im vergangenen Jahr mussten sie es aufgrund einer Stimmbandentzündung von Sänger Simon LeBon absagen. Doch an diesem Dienstagabend steht er in vollem Saft auf der Bühne. In eine hübsche silberne Uniformjacke hat er sich gehüllt und sein Gesicht ist mit einem Fünf-Tage-Bart dekoriert, als die Band mit dem eher ruhigen Stück „Before The Rain“ ihres neuen Albums eröffnet.

Auch die restlichen Duranies haben sich herausgeputzt. Nick Rhodes, der sich hinter einem Turm aus Synthesizern verschanzt hat, trägt immer noch die schönste Andy-Warhol-Gedächtnisfrisur!

Poltrige Tanzbären

„Planet Earth“ und ihr James-Bond-Song „View To A Kill“ sind die ersten Hits des Abends, zu denen im Hintergrund Weltall- bzw. Popart-Bilder über die Leinwand flackern. Jedes Bandmitglied wird in den Pausen zwischen den Songs seiner Rolle gerecht: Ihr Schöngeist Nick Rhodes liefert einen ausführlichen Exkurs über die hübsche Architektur Berlins bis hin zu Fritz Langs „Metropolis“. LeBon, der mit seinen grobmotorischen Bewegungen immer ein wenig an einen poltrigen Tanzbären erinnert, flirtet engagiert mit der Backgroundsängerin. Und Bassist John Taylor erzählt von ihrem Experiment, das aktuelle Album anfangs nur im MP3-Format zur Verfügung gestellt zu haben – in diversen Ländern katapultierte es sich auf Platz eins der Download-Charts.

Nur eine Handvoll Tweets

Dass zumindest in Berlin ihre Zielgruppe bei so viel Fortschritt nicht immer mitkommt, zeigt sich, als die New-Romantic-Helden die 2000 anwesenden Fans auffordern, spontan ein paar Botschaften über das soziale Netzwerk Twitter in die Welt hinauszuschicken. Lediglich eine Hand voll solcher Tweets laufen in Endlosschleife über die Monitore, während ihr Saxophonist ein nostalgisch anmutendes Instrumental-Solo darbietet.

Nun ja. Ansonsten liefern Duran Duran zwei Stunden Hits, darunter „Ordinary World“, „Girls On Film“, „Rio“ und ihr Grandmaster-Flash-Cover von „Wild Lines“. Für ihre neue Single „Girl Panic!“, zu der Jonas Akerlunds Video mit Naomi Campbell und Helena Christensen gezeigt wird, ernten die „Wild Boys“ sogar Szenenapplaus. Die Models haben sich über die Jahre genauso gut gehalten wie Duran Duran.

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