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Klang-Akkumulation.
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Klang-Akkumulation.

Musik

„Moon Machine, Grounded“ zur Wiedereröffnung am Mousonturm: Düsentriebs Gebräu

  • VonMarcus Hladek
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„Moon Machine, Grounded“ von Veit Sprenger, Tobias Euler und Thies Mynther im Frankfurter Mousonturm.

Seine Rückkehr auf den Theaterplaneten Erde feierte der Mousonturm jetzt im Rahmen des Tonfunktion-Festivals mit „Moon Machine, Grounded“. Gewidmet ist das achtzigminütige Konzert inmitten einer Ansammlung pneumatischer Instrumente und mechatronischer Klangmaschinen einem großen Abwesenden: Louis Thomas Hardin (1916-1999). Der nannte sich auch Moondog und wurde in den New Yorker Jahrzehnten als „the Viking of 6th Ave.“ zur Legende, bevor er den Lebensabend in Münster verbrachte. Bestritten wird der Abend vom Theatermacher Veit Sprenger („Showcase Beat le Mot“), dem Künstler und Gelegenheits-Instrumentenbauer Tobias Euler und dem Komponisten Thies Mynther.

Lang bevor die krude Stilmischung und launige Ansagen erklingen, gerät man begehenderweise ins Staunen. Wann hat man das schon gesehen: eine Trocken-Wassermühle, deren Klang aus der Reibung von Leinenstoff an abrollenden Holzstreben entsteht. Haufen großer Kanthölzer, die an zwei Stellen der ovalen Spielfläche im BAU, der Covid-19-Lehmburg im Mousonturm-Saal, daliegen wie Popart-Mikadostäbchen, als warte das stockende Utopia auf Weiterbau im Zuge der Geschichte. Einmal wird die Sanduhr umgedreht; es geht voran. Hier gebündelte Blockflöten, dort einzeln hängende Orgelpfeifen, überall Kabel, eine schwebende Pauke und ein Tamburin mit Schlagautomatiken, ein Klavier.

Verschrobene Objektwelten

Im Zentrum des Konzerts, der bespielten Installation ruht und harrt die „Moon Machine“: ein musikalischer Thespis-Theaterkarren, der zweiachsig wie radlos (ratlos?) „grounded“ dasteht, alsbald auch magisch gebannt im Zucker-Bannkreis aus der Tüte. Schirme schützen das symbolisch auffliegende Gefährt vor Regen, der niemals fällt. Trommelkästen hinten, Miniklaviere und Hörner vorn rahmen ihn ein, werden wo nötig elektronisch angesteuert.

Seitlich zieren ihn Fotos vom Wikinger Hardin mit Rauschebart und gehörntem Helm, Speer und Umhang, dem mit 16 ein Dynamitzünder ins Gesicht explodierte und ihn erblinden ließ. Was ihn indes nicht abhielt, sich musikalisch auszubilden, mit Charlie Parker und Arturo Toscanini zu verkehren, in Dutzenden Alben Straßenklänge zu verarbeiten, Musiker wie Philip Glass und Steve Reich zu inspirieren und sich aus Bachs Kontrapunkt und indianischen Rhythmen, Renaissance-Madrigalen und Rock und Pop der 1960/70er Jahre sein ureigenes Gebräu abzuleiten. Gespielt werden Moondogs Kompositionen, aber auch solche von Mynther und Sprenger, die das Stilspektrum widerspiegeln.

Kein Wunder, wenn man beim Anblick des Wagens an verschrobene Objektwelten von Wilhelm Reichs Orgonakkumulator über Tinguély-Skulpturen bis Heiner Goebbels Klangmaschine in „Stifters Dinge“ denkt. Wie die beiden Musiker in mönchischen Kunstsoutanen die Violine und all den Rest bespielen, kommt auf hohem Niveau unangestrengt und humorvoll rüber, lauscht und listet den perkussiven Gerüsten immer neue Melodien ab, wird hier chansonesk und da madrigalartig, schaudert mit der Melodica vor dem Geist in der Maschine und lustwandelt da in Keplers Garten an der Linzer Uni. Ein Abend im Geiste Daniel Düsentriebs und Doc Emmett Browns also, der als Resümee zur Pest die Weisheit nachliefert: „Capitulation is the greatest sin.“ Wie wahr.

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