Kammermusik

Auf Draht

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Das junge Frankfurter Aris Quartett spielt Haydn, Bartók und Beethoven in der Alten Oper.

Im Jahr 2009 in Frankfurt gegründet, hat sich das Aris Quartett rasch im Konzertbetrieb einrichten können. Dennoch wirkte Cellist Lukas Sieber nicht ungerührt, als er beim Ankündigen der Dvorák-Zugabe darauf hinwies, dies sei also ihr erstes Konzert in der eingeführten Kammerkonzertreihe der Museumsgesellschaft gewesen. Man kann sich vorstellen, wie die vier vor wenigen Jahren als Studierende der Frankfurter Musikhochschule im Mozartsaal in der Alten Oper den Profis zugehört haben könnten. Das sind Übergangsphasen, in denen man in Form sein muss, und Anna Katharina Wildermuth und Noémi Ziperling (Violinen), Caspar Vinzens (Viola) und Sieber zeigten sich unheimlich auf Draht.

Am erstaunlichsten ist gleich am Anfang, wie abgeklärt das Quartett sich Joseph Haydns federleichter, aber gehaltvoller Musik annimmt. Das Streichquartett f-Moll op. 55 Nr. 2 bezaubert mit Scherz und Ironie, einem hier keineswegs mehr außermusikalischen Kriterium. Mit feinsinnigem Vergnügen werden Pomp und Tanzelemente zelebriert, alles wie hingetupft. Der sympathische Schlusseffekt, bei dem die vier sich selbst über den letzten Ton zu wundern scheinen, geht wie ein kleines Huch in den Saal und die Welt hinaus.

Wie ausgetauscht, nein, wie verwandelt werfen sie sich dann in Béla Bartóks Quartett Nr. 5, eine andere Zeit, eine andere Situation. Sie arbeiten sich, schrauben sich hinein in diese schroffere Musik, die aber nicht brüsk und nicht extravagant angegangen, sondern deren schöne, gewitzte, quicklebendig musikalische Seite herausgelockt wird. Die höllischen Tanzrhythmen: ein Riesenspaß, nicht nur für die Ausführenden.

Ludwig van Beethovens Quartett e-Moll op. 59 Nr. 2 wird nach der Pause als regelrechte Kostbarkeit ausgebreitet. Auf Samtpfoten der erste Satz, ohne Schroffheiten gesanglich der zweite, der dritte hat Swing, bevor sich alles verwickelt. Wie die Melodielinien nachzuverfolgen sind, ist mustergültig, aber das Ganze bleibt auch im fidelen Finale stets im Blick. Beunruhigend reif, würde man sagen, wenn es nicht so herrlich wäre.

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