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13. September 1968: Ray Manzarek (v. l.), Jim Morrison, John Densmore und Robby Krieger.

Frankfurter Römerberg

The Doors, frühe Altstadt-Freunde

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Vor 50 Jahren traten die Doors auf dem Frankfurter Römerberg auf. Glauben Sie nicht? Stimmt aber.

Gottweißwas könnte denken, wer im Internetauftritt der Stadt liest: „Am 13. September 1968 spielten sich in der Frankfurter Innenstadt furiose Szenen ab.“ Aber wenn wir ehrlich sind: Verglichen mit den echten Furiositäten, die Frankfurt 1968ff erlebte, Häuserkampf, Kaufhausbrand, war der Auftritt der Rockband The Doors auf dem Römerberg ein Spaß für die ganze Familie.

Jim Morrison mag den Römer

Vor 50 Jahren also, Freitag, der 13. Die weltberühmten Doors sollen am nächsten Tag in der Kongresshalle spielen und haben sich breitschlagen lassen, eine Aufnahme für die ZDF-Fernsehsendung „4-3-2-1 Hot & Sweet“ vor historischer Kulisse zu machen. Das Farbfernsehen steckt noch in kurzen Kinderhosen, das in spärlicher Zahl erschienene Publikum ist von Jeansmode so weit entfernt wie Los Angeles von Karl, dem Großen, im Kaisersaal. Ton ab, „Hello, I Love You“ – im Vollplayback.

Bis heute kann das Medium Fernsehen mit Leichtigkeit die verruchtesten Rüpelbands in dudelnde Geburtstagsgrußkarten verwandeln, wenn es sie zu einem Studio-Playback-Auftritt verurteilt. Das Frankfurt-Video der Doors, fantastischerweise ein halbes Jahrhundert später im Internet zu sehen, dürfte eine Pioniertat dieser Form der Domestizierung sein. Wir sehen vier adrette junge Herren, die artig vorsingen. „Die Leute hinter uns sind komplett zu Tode gelangweilt“, beschreibt Schlagzeuger John Densmore später.

Jim Morrison, der berüchtigte Sänger, der sonst gern mal provoziert, das Publikum beschimpft, Auftritte platzen lässt – er blickt die ganze Zeit scheinbar verträumt in den Himmel. Aber nein, versichert Gitarrist Robby Krieger: „Wir sind in diesem schönen Viertel mit unglaublicher Architektur. Ich wusste, er sah sich all das coole Zeug um uns herum an.“ Ein Freund der Altstadt also.

Fröhlich tanzend um den Justitia-Brunnen

Man wünschte, Jim Morrison hätte die vollendete Rekonstruktion 50 Jahre später erlebt. Am Tag des Römerberg-Auftritts zieht es ihn magisch in die Alte Nikolaikirche, wo er eine Stunde versonnen Orgel spielt, sich auf der Kanzel fotografieren lässt sowie vor dem Altar des Siegfried zum Paradies. Der frühere Pfarrer Jeffrey Myers kennt Überlieferungen, in denen einige Flaschen „Goldener Oktober“ eine große Rolle spielten am 13. September 1968. Der süße Wein mag den Doors darüber hinweggeholfen haben, dass eine fröhliche blonde Dame im Minirock praktisch die Hauptrolle im ZDF-Musikfilmchen übernimmt. Sie tanzt unter anderem auf dem Justitia-Brunnen. Die Welt ist in Ordnung. Hello, I love you, won’t you tell me your name?

„Du siehst, so leicht, wie ich auf die Trommeln haue – was du hörst, kann niemals der Sound sein, den ich da spiele“, beschreibt Schlagzeuger Densmore. „Aber wir versuchten, einen Fuß in den europäischen Markt zu bekommen.“

Am nächsten Abend spielen die Doors in der Kongresshalle. Morrison nerven die Fans, die unentwegt den Hit „Light My Fire“ verlangen, obwohl ihm mehr nach ruhigen Bluessongs zumute ist, und eine Gruppe US-Soldaten, die mit einer Militärflagge vor der Band auftaucht. Er verlässt wütend die Bühne. Später, als die Halle schon fast leer ist, kehrt die Combo zurück. Konzertveranstalter Fritz Rau erinnert sich: „Eine astreine Bluesband, die noch einmal über eine Stunde spielte – Jim Morrison der Einfachheit halber auf dem Boden liegend. Er improvisierte unheimlich schöne Texte, und wir alle waren sprachlos.“

Das muss die Wirkung des „Goldenen Oktobers“ im September gewesen sein. 50 Jahre später fasst man die Frankfurter Abenteuer der Doors in der längst abgerissenen Kongresshalle und auf dem Römerberg vielleicht am besten mit einem Begriff zusammen: legendärisch.

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