Albino-Amsel und herkömmliche Amsel, offenbar haben sie sich etwas zu sagen.
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Albino-Amsel und herkömmliche Amsel, offenbar haben sie sich etwas zu sagen.

Musik

Dominik Eulberg: „Avichrom“ – Ein Beat für den Purpurreiher

  • VonStefan Michalzik
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Mannigfaltige Raffinesse: Dominik Eulbergs Album „Avichrom“.

Im Beiheft wird die Natur als „die genialste Künstlerin von allen“ gerühmt, um nicht zu sagen verherrlicht. Es wird die Vielfalt der Farben und Formen als „lebensbejahendes Sinnbild der Sinfonie des Seins“ gepriesen. Dominik Eulberg ist bekannt als der Vogelkundler unter den elektronisch produzierenden Popmusikern, er ist der berühmteste Ornithologe in der Musik seit Olivier Messiaen. Jeder der elf Tracks auf „Avichrom“, seinem neuen Album, ist mit dem Namen eines Singvogels benannt, mit naturgetreuen farbigen Zeichnungen wie in einem Bestimmungsbuch.

Die beiden Passionen, die ihn umtreiben, die Natur mit besonderem Schwerpunkt Vögel und die Musik, denkt der 1978 im Westerwald geborene und dort aufgewachsene Dominik Eulberg immer wieder zusammen. Vor seinem Comeback vor drei Jahren mit dem Album „Mannigfaltig“ hatte der studierte Biologe und Ökologe, der Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert, acht Jahre lang im Naturschutz gearbeitet.

Das Bild von der Natur ist bei Dominik Eulberg, der sein Studio unter dem Dach seines Hauses am Rand eines Sees der Westerwälder Seenplatte eingerichtet hat, ein durch und durch romantisches. Und das Ideal eines Sich-Einfügens des Menschen in die Natur in verständnisinniger Harmonie spiegelt sich in seiner musikalischen Ästhetik. Bald schon war sie deutlich weniger wuchtig, weniger an der Tauglichkeit für den Tanzboden orientiert als in den Anfängen, etwa auf dem 2004 veröffentlichten Debütalbum „Flora und Fauna“, für das ihn seinerzeit das Clubkulturmagazin „Groove“ zum Newcomer des Jahres ausrief. Später wurde ihm das Etikett „Öko-Techno“ angeheftet. Uncharmanter auch: „Wohlfühltechno“.

Minimal-Techno, esoterikfrei

Dominik Eulbergs Musik hat aber mit Weichzeichnerei oder gar Esoterik nichts zu tun. „Schwarzhalstaucher“, die Eingangsnummer, wartet mit einem ausgeprägt perkussiven Beat auf; es lässt sich von Minimal- oder auch Ambienttechno sprechen. Bei „Position drei, Purpurreiher“ kommt erstmals ein Housebeat ins Spiel. Später mitunter weisen Rhythmen einen tribalistischen Charakter auf.

Das Album

Dominik Eulberg: Avichrom. !k7/Indigo/ 375 Media.

Eulberg selbst hat einmal erklärt, er sei kein lustiger Tierstimmenonkel, sondern ein Konzeptkünstler. Bei dem Titel des Albums handelt es sich um eine Wortkreation, übersetzt bedeutet sie „Vogelfarben“. Die Farben tauchen häufig in den Namen der Singvögel auf. Zwar birgt ein farbenprächtiges Gefieder die Gefahr mit sich, Fressfeinde auf den Plan zu rufen, doch kommt den Farben eine wichtige Rolle beim Werben um die Weibchen zu, für den Arterhalt also.

Eine Neuerfindung der elektronischen Popmusik gilt es angesichts von „Avichrom“ sicher nicht zu feiern. Da ist nichts, was nicht schon in den nuller Jahren, einer Phase der Ausdifferenzierung nach dem Jahrzehnt des Durchbruchs von Techno und House, möglich gewesen wäre in einem weiten Feld zwischen Ambient und Electronica. Die Musik Eulbergs fällt aus der Zeit. Das ist in seinem Fall Gewinn, nicht Schaden. Im vergangenen Jahr hat der Biologe ein Buch veröffentlicht, „Mikroorganismen überall“ (Eichborn). „Von der Raffinesse und Mannigfaltigkeit der Natur vor unserer Haustür“, lautet der Untertitel. Das mit der Raffinesse und der Mannigfaltigkeit hat der Musiker mit der Natur gemein.

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