Django Bates in der Alten Oper.
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Django Bates in der Alten Oper.

51. Deutsches Jazzfestival

Kollektive Turbulenzen

  • vonStefan Michalzik
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Das 51. Deutsche Jazzfestival erfreut immerhin noch mit einem Abend mit Django Bates zu Ehren von Charlie Parker.

Die große Besetzung hat im Werk des Pianisten Django Bates, der zu den Protagonisten der in einer anarchischen Art elektrisch orientierten neuen britischen Jazzszene der achtziger Jahre gehörte, schon bald eine zentrale Rolle eingenommen. Einstmals hat er im Übrigen gesagt, wenn er eines nie tun werde, dann sei es die Gründung eines Trios. Die Verweigerung der jazzpianistischen Königsdisziplin aber ist hinfällig geworden, als er vor ungefähr zehn Jahren am Ort seiner Professur in Kopenhagen den Bassisten Petter Eldh und den Schlagzeuger Peter Bruun kennenlernte.

Ebendieses Trio bildete nun – ungeachtet der herausgehobenen Rolle von Django Bates – eine solistische Einheit gegenüber den Bläsern der hr-Bigband im Programm „Celebrating Charlie Parker“ (zum 100. Geburtstag) im Zuge des 51. Deutschen Jazzfestivals in der Frankfurter Alten Oper (in zwei Konzerten). In einer freigeistigen Art ist es Bates geglückt, die Quirligkeit des Bebop-Materials vom zentralen Protagonisten der grundstürzenden Umwälzung hin zum modernen Jazz in den vierziger Jahren auf das Orchester zu übertragen. Die stetige Präsenz der Flöte und Pikkoloflöte von Peter Heidl gibt die besondere Note eines ungewohnt hellen Gesamtklangs.

Konturiert und ziseliert

Scharf konturierte und fein ziselierte kollektive Turbulenzen, ein bemessener Raum für markante Solisten wie Steffen Weber am Tenor- und Heinz-Dieter Sauerborn am Sopransaxofon, den Trompeter Axel Schlosser und Axel Jaksjö an der Posaune; das Altsaxofon, Parkers Instrument, tritt nicht solistisch in Erscheinung. Kantige Akkorde und hochgeschwinde Läufe auf dem Klavier in Parkers „Donna Lee“, „Ah Leu Cha“ als beschwingter Stomper; „My Blue Suede Shoes“ ist in Django Bates’ Fassung eine gewisse Funkyness eigen. Anregend ist das auf ungeheurem Niveau. In einigen Kompositionen von Bates hingegen lässt das Klavierspiel Anleihen bei Spätromantik und musikalischem Impressionismus erkennen.

Viel ist von den ursprünglich annoncierten Vorhaben für diesen Festivaljahrgang nicht geblieben: Über das Konzert in der Alten Oper hinaus lediglich ein Livestream am morgigen Samstag. Für die Abende dazwischen offeriert die Jazzredaktion des Hessischen Rundfunks historische Mitschnitte von Festivalauftritten. In einer Ansage sprach Django Bates davon, dass es sich bei diesem Konzert um das erste mit seinem Trio seit Mitte März handle – und zugleich das letzte.

Ob der erneute Lockdown für die Kultur angesichts großer Abstände, einer leistungsfähigen Belüftungsanlage und neuerdings einer Maskenpflicht auch an den Plätzen verhältnismäßig ist – daran können einem beim Blick in den nur zu einem Viertel besetzten Saal Zweifel ankommen.

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