Sie kennen die guten Zutaten: Die Dirty Streets.
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Sie kennen die guten Zutaten: Die Dirty Streets.

Dirty Streets – „Rough and Tumble“

Höllenhunde des Überlieferten

  • Olaf Velte
    vonOlaf Velte
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Auf „Rough and Tumble“ geben die Dirty Streets dem 70er-Bluesrock die Sporen.

Rückwärtsgewandt. – Schlecht beleumundet, diese Zuschreibung. Und doch. Ganze Heerscharen von Machern und Nutzern, Macherinnen und Nutzerinnen populärer Klangkultur bedienen sich aus dem Füllhorn des Althergebrachten, des Überlieferten. Wer könnte leben ohne den Beistand von Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Humble Pie, Creedence Clearwater Revival?

Die hier jedenfalls nicht. Gitarrenschwinger Justin Toland, Bassmann Thomas Storz und Trommelexorzist Andrew Denham haben sich vor dreizehn Jahren als Dirty Streets auf die Reise begeben, sich mit Haut und Haaren dem Bluesrock verschrieben. Ihr bevorzugtes Wirkungsrevier ist – durfte es anders sein? – Memphis in Tennessee.

Lauter Wuchtbrummen

Das Album

Dirty Streets: Rough and Tumble. Alive Natural Sound Records / Bertus.

„Rough and Tumble“ ist nun ihre sechste Veröffentlichung, eine Sammlung live im TV-Studio hingepfefferter und aus früheren Alben stammender Wuchtbrummen. Zwei Fremdkompositionen fügen sich nahtlos ein: „Walk a Mile In My Shoes“ stammt ebenso von der US-Songwriter-Ikone Joe South wie der Country-Rocker „Tell the Truth“. Mit dem 5 Minuten dauernden Shoe-Walk befindet sich das Trio in bester Gesellschaft – schon Elvis Presley, Jerry Lee Lewis oder Bryan Ferry haben dazu interpretierend eingegriffen.

Mit raffinierten Neufindungen geben sich die Dirty Streets nicht ab, handwerkliches Können und kompromisslose Hingabe grundieren das wohlbekannte Klöppeln und Dengeln. Überhaupt ist das große Nachdenken in der Southern-Blues-Rock-Branche eher hinderlich – man kennt ja seit Jahrtausenden die Zutaten, Hitzegrade, Geschmacksrichtungen.

Kurzum: Mister Toland weiß, wo das Wahwah-Pedal steht, wie Saiten gezerrt und Stimmbänder gedehnt werden müssen. Dass auch die mitstreitenden Straßenbrüder ihr Instrumentarium zielgerichtet zu Gehör bringen, ist dem dringlichen Willen zur Vergegenwärtigung geschuldet: Nichts ist vergessen, gar vergangen. Schon der Einstieg mit „Good Pills“ zeigt, in welchen Seelen der ruhmreiche Zeppelin mittlerweile vor Anker gegangen ist.

Jeder, der die Siebziger vor Boxen und unter Kopfhörern verbracht hat, wird mit „Rough and Tumble“ in vertrautes Gelände transportiert. Dorthin, wo sich noch Boogie und Blues, Riff und Kiff vorbehaltlos beschnuppern dürfen. Gerade die richtige Mixtur für den Abend nach mühseligem Tagwerk also. Für Dämmerungen, in denen die erste Bierflasche geöffnet, die Regler fingerbreit höher gedreht werden. Wo Paradiese des Einfachen greifbar nahe sind. (Übrigens ist das abschließende Song-Duo ein entspannt-akustisches Goodbye, fingerpickend gutmütig geradezu).

„Out on 61 to the Promised Land / I’m going down to Itta Benna / Hellhound take my hand“, heißt es in einer der stärksten Nummern dieser publikumslosen Live-Darbietung der Dirty Streets. Eine Slide-Messe, die umweglos hinabführt in die Yazoo-Region, zum Mississippi – geeignete Wegkreuzung für „nasty echoes, nasty sounds“. Wo die Geister von Smoky Babe, Luther Johnson und Big Mojo Elem auf die müden Wanderer der dreckigen Straße geduldig warten.

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