Funny van Dannen

Und diesmal spricht auch echte Wut

  • schließen

Funny van Dannen mit Titeln von der CD „Alles gut Motherfucker“ im Mousonturm.

Funny van Dannen hat eine Gemeinde. Sie singt die Refrains vieler seiner Songs mit und zum Teil auch die Strophen – ohne dass das klebrig wirken würde. Als politischen Prediger hat man den in Berlin lebenden Sänger, der Mitte der neunziger Jahre – nichts schien damals uncooler als das Liedermachertum – mit seiner Klampfe auf den Bühnen auftauchte, bis jetzt noch nicht erlebt. Nun, in einigen Protestsongs zu Beginn des Konzerts im gut besuchten Frankfurter Mousonturm, aber schon. Es handelt sich um Nummern von seinem 2018 erschienenen Album „Alles gut Motherfucker“. Er wettert darin gegen sämtliche Religionen grundsätzlich und gegen Trump. Und er empfiehlt einem Rechtsradikalen, er möge sich kräftig in das eigene Gesicht im Spiegel schlagen. „Und wenn dann jemand blutet/Das bist du.“

Da spricht echte Wut. Im Song „Farben“ heißt es „Eine Gesellschaft mit braunen Farben/Ist die faul oder einfach beschissen?“ So berechtigt dieser Zorn ist – gute Texte werden nicht daraus. So etwas mag für die Band Die Toten Hosen geeignet sein, für die Funny van Dannen schon Songs geschrieben hat – doch ist man anderes von ihm gewohnt.

Vom Stand der Dinge in unserer Gesellschaft erzählt er schon immer, aus einer menschenfreundlichen Haltung heraus und Galligkeit gelegentlich inbegriffen. Er war nie ein Fall für den Kirchentag, hat herzerfrischenden Quatsch gemacht, mit sprechenden Tieren und Gegenständen mit Gefühlen. Er ließ die Pointen nicht krachen, aber da waren sie doch. Politisches behandelte er mit einer wunderbaren Leichtigkeit, für die man die begleitende Klampferei – ist das vielleicht einfach eine Form von Akustikgitarrenpunk? – gern in Kauf nahm.

Die vielen neuen Nummern im Konzert – nichts ist dabei vom Zuschnitt der ebenfalls vorgetragenen Klassiker wie „Nana Mouskouri“, „Lesbische schwarze Behinderte“ oder „Kapitalismus“. Funny van Dannen, einer der tollsten zeitgenössischen Humorschaffenden deutscher Sprache, muss selbstverständlich nicht ständig lustig sein. So war es auch nie. Den Novitäten aber fehlt das spielerische Moment. Versponnenheit allein genügt nicht.

Es steht zu hoffen, dass der Quell von Funny van Dannens immensen Qualitäten nicht versiegt ist und er sich womöglich nur in einem Formtief befindet. Er kann es ja noch, viele der kurzen Erzählungen und der Gedichte in dem gleichfalls im vergangenen Jahr veröffentlichten Bändchen „Die weitreichenden Folgen des Fleischkonsums“ belegen das. Hier sind auch die wiederkehrenden Stiche gegen Trump feiner gesetzt als in den Liedern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion