Alte Oper

Dieses Bohren, dieses Dräuen

  • schließen

Martha Argerich und Sergei Babayan in der Alten Oper Frankfurt.

Mit der Pianistin Martha Argerich und dem Dirigenten Claudio Abbado entstand das Format Traumpaare der klassischen Musik. Damals, vor mehr als 50 Jahren: zwei smarte, junge, gut aussehende Menschen, ohne den bis dahin üblichen Ruch der Steifheit und Gesetztheit. Später waren Argerich und Cellist Mischa Maisky solch ein Dream Team, und gegenwärtig ist das Gespann Martha Argerich und Sergei Babayan präsent, nachdem die mittlerweile 78-jährige schweizerisch-argentinische Pianistin und der zwanzig Jahre jüngere armenische Pianist das Album „Prokofiev for two“ vorgelegt haben. Damit ist man zur Zeit auf Tour und machte im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt bei Pro Arte Station.

Babayan ist ein Könner im Transkribieren von Orchesterpartituren. Und Prokofjew, mit dessen 3. Klavierkonzert 1967 Argerichs Plattenkarriere begann, hat viele solcher Partituren hinterlassen. Partituren, deren Transkription für zwei Klaviere die mörderische Schwere seiner Klaviersonaten nicht hätten, aber die publikumsfreundliche Ansprache seines Klang-Populismus nutzen könnten. Besonders die rhythmischen Sätze des „Romeo und Julia“- Balletts geben da einiges her, ebenso wie Stücke aus Filmmusiken sowie Paraphrasen Prokofjews zu Puschkins Stücken „Eugen Onegin“ und „Pique Dame“. Ein Satz zur Theatermusik „Hamlet“ von 1938 war der bohrende und dräuende Höhepunkt des Abends.

Es begann mit zwölf Prokofjew-Babayan-Sätzen des „Romeo und Julia“- Balletts, die zwar die farbige und tektonische Raffinesse dessen orchestraler Üppigkeit vermissen ließen, aber ihren motorischen Zug in der hell timbrierten Flügelstimmung leicht und angenehm entwickeln konnten. Manchmal, wie in der „Aubade“, war die orchestrale Vorlage in der fein schwingenden und perlenden Transkription sowie in der Diktion Argerichs und Babayans fast überboten. Andererseits, wie etwa in der „Gavotte“ oder „Die junge Julia“, bieder und hölzern umgesetzt. Es hat schon seinen Sinn, dass Prokofjew einmal für Klavier und ein anderes Mal für großes Orchester komponiert. Die klangplastische Beschränktheit des Tasteninstruments ist selbst in seiner Verdopplung nicht aus der Welt zu schaffen: ideal für hochverdichtete Artistik, nicht aber für klangliche Al-fresco-Gemälde, die dabei geläufig wirken.

Vor dem zweiten Schwung von Babayan-Transkriptionen erklang Mozarts D-Dur-Sonate für zwei Klaviere so, als hätte das viele Geklöppel des pianistischen Ersatzstoffs abgefärbt: ein blasser, ja flacher Eindruck. Bei den finalen Prokofjew-Sätzen kam man dann wieder so schön in Fahrt, dass das zwanzigfingrige Leistungsethos dieser Pianisten-Paarung allgemein Begeisterung auslöste.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion