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Die Wiener Philharmoniker und Valery Gergiev in Frankfurt: Ein lebender Organismus

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Von: Judith von Sternburg

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Valery Gergiev mit den Wiener Philharmonikern in der Alten Oper Frankfurt. Foto: Tibor Pluto/Alte Oper
Valery Gergiev mit den Wiener Philharmonikern in der Alten Oper Frankfurt. © Tibor-Florestan Pluto

Die großartigen Wiener Philharmoniker mit Valery Gergiev und einem russischen Programm in der Alten Oper.

Es ist schon immer unsympathisch gewesen, aber derzeit noch unsympathischer als sonst, dass Präsident Putins Freund Valery Gergiev einem an Fußballabenden allenthalben in der Gazprom-Werbung begegnet.

Jetzt gastierte er aber mit den Wiener Philharmonikern in der Alten Oper Frankfurt, die er schon im März wieder besuchen wird, dann mit den von ihm geleiteten Münchner Philharmonikern. Zwei komplett russische Programme, am Dienstagabend zunächst Stücke aus Sergej Prokofjews „Romeo und Julia“-Suiten sowie Peter Tschaikowskis 6. Sinfonie. Die Wiener – die jenseits der Blasinstrumente alle mit Maske spielten – in ganz großer Besetzung, an die man sich immer noch nicht wirklich wieder gewöhnt hat, der „Romeo und Julia“-Auftakt von geradezu beängstigender Lautstärke. Im Verlauf zeigte sich eine berauschende Beweglichkeit bei enormer Komplexität und Modernität der so vertrauten Nummern. Der mächtige Klangkörper ist der Organismus, der er sein soll, der sich aber nicht immer so lebendig zeigt.

Wie aus sich selbst heraus

Gergievs Dirigieren passte dazu, schien von einer eigenwilligen Lässigkeit, kein Podest, kein Notenpult. Vieles entwickelte sich einfach wie aus sich selbst heraus, eine hohe Kunst, da davon bekanntlich nicht die Rede sein kann. Die Schönheit des bitteren Leids im Schlussstück „Romeo am Grab Julias“, vom Orchester blank und bloß dargebracht, war erschütternd. Auch vielleicht diesen Tagen geschuldet: Wie Musik Verlogenheit (das Leiden am Tod eines jungen Menschen ist niemals süß) und Ehrlichkeit (aber da ist sie, die Fülle des Wohllauts) verbindet, fiel noch mehr ins Gewicht als sonst.

Noch überraschender in dieser Hinsicht die Ausgestaltung von Tschaikowskis „Pathéthique“, viel zu oft zu hören, um nicht zur Gewohnheit geworden zu sein, nun aber fern des Sonntagskonzerts in aufregende, lebhafte Gefilde geführt. Vom getragen Genießerischen über die knochenlos weiche Süße des „Allegro con grazia“ und den erneut sehr lautstark anschwellenden vierten Satz zum unendlich verklingenden Schluss.

Im März gibt es Sergej Rachmaninows drittes Klavierkonzert und Prokofjews Sinfonie Nr. 5.

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