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Nur original mit Pfirsichbaum: Peach Tree Rascals. 10k Projects
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Nur original mit Pfirsichbaum: Peach Tree Rascals.

Popmusik

Die Taschen voller Sonnenschein

  • VonPhilipp Kause
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Platten, die den Frühling begrüßen: Leichtfüßiges von Benny Sings, Peach Tree Rascals, Parker Millsap.

Während sich ringsherum Musik oft wahnsinnig viel Bedeutung auflädt, handeln die folgenden drei Platten nicht von aktuellen Konjunktur-Themen wie Lockdown, Depression, Isolation, Vergewaltigung, Alkohol, Selbstfindung, Klimakrise, Demokratiekrise, Rassismus, Empowerment, Transgender, postmoderner Sinnsuche. Auf Trennungen, seichte Liebeslyrik, Gejammer jeder Art, dystopische Düsternis und dekonstruierende Klänge verzichten Benny Sings, Parker Millsap und Peach Tree Rascals auf ihren Alben. Stattdessen gestatten sie uns 95 Minuten Leichtigkeit, heitere Gesänge, luftige Instrumentierungen, Power-Pop, der hüpft, harmonisch fließt, für Leute, die keinen Pop im engen Sinne mögen, dafür mit Soul-, Americana-, Hip-Hop-Zitaten. In einer perfekten Mitte zwischen Simplizität und Avantgarde.

Benny Sings nennt das so: „Catchiness“ trifft auf „Deepness“. „Ich mag einfache Dinge“, meint der Holländer, der eigentlich Tim van Berkestijn heißt, über seine Platte „Music“. Er unternimmt eine stilistische Zeitreise in die 70er, frühen 80er, nutzt Synthesizer jener Ära. Der Roland Juno-6 verleiht Harmonien warmen, nostalgischen Klang, erinnert ganz absichtlich an Paul McCartneys Wings. Bennys Yamaha Upright-Piano imitiert Pauken und Geigen, so dass der Sänger das meiste selbst an den Tasten erledigt. Ein rappender Freund des Künstlers setzte einen weiteren Retro-Impuls, liebt Japan und dessen City Pop: eine nur dort gefertigte Verschmelzung aus Synthie und Soul um 1980. Deutlich zu hören in „Miracles“. Eingängig, nah an guter alter Musik Minnie Ripertons und Stevie Wonders. Diesen Stil pressen heute so wenige Labels, dass der 44-Jährige aus Dordrecht in L.A. bei Stones Throw unter Vertrag ist.

Unweit davon, in San José, sind die Peach Tree Rascals eine neue Hype-Gruppe. Psychedelischen Sprungfedern-Pop und Sixties-Retro-Stimmungen im Stile der Allah-Lahs gestalten sie. Mit analogen Synthesizern, akustischer Gitarre und discotauglichem Schlagzeugtreiben, auf das MGMT mit Neid schauen dürften. Hip-Hop, folktronisches Handclapping, Electro-Soul, Easy Listening, zarte Saxophon-Samples bringt das debütierende Quintett ebenfalls unter. Die „Pfirsichbaum-Schlingel“ – der Name erinnert an Kirschen aus Nachbars Garten. Und die Musik ist so süß und saftig wie Pfirsiche. In anglophonen Kreisen zu Heilsfiguren hochgejazzt, wissen die Westcoastler genau, wie diese App namens TikTok tickt. Dort im Netz startete ihre Karriere mit einem Lied über einen Schmetterling. Bei Steinobst naheliegend.

Die Stücke aus dem „Camp Nowhere“ überzeugen: idyllisch, vielfältig, rhythmisch treibend. Die EP könnte lyrisch den letzten Schliff vertragen, um das „ba-ba-ba-babe“-Gestotter des Straßen-Trap zu überwinden. Ihre tollen Harmoniegesänge kontrastieren diese Schlingel mit frechem Auto-Tuning. Die sehr gefällige Produktion liefert eine anspruchsvolle Alternative zu den Jonas Brothers und ein US-Pendant zu Easy Life aus Leicester. In eigenen Worten der Peach Tree Rascals, in „Pockets“: „Die Tasche voller Sonnenschein, wissend, dass du unterwegs bist, geht’s mir gut.“

Was bei den Newcomern den Sonnenschein nicht trübt, sind E-Gitarren, Verstärker, satte Bässe. Parker Millsap aber bringt all das in seiner Auslegung von Power-Pop zur Geltung. Verleiht seinen temporeichen Songs damit Tiefe und Massivität. Analoges Synthie-Wummern malt hier einen Großteil der Atmosphäre; wie bei den beiden anderen Platten. Passend zu unserem aktuellen Frühling, regnet es in Parkers Stück „Empty“. Dennoch, trotz melodramatischer Anflüge stürmt auf dem Album „Be Here Instead“ frischer Sound vorwärts. Stilistische Referenzen zieht er zu Americana-Folk, Country, Memphis Blues.

Hell gefärbte Songs

Parker Millsap – aus einem kleinen Städtchen im stark bewaldeten Oklahoma – ist, wie Benny Sings, Multiinstrumentalist. Seine Bandbreite reicht von Banjo bis Klavier. Letzteres färbt die Songs besonders hell. Der innovative Songwriter überzeugt mit weichen, brühwarmen, intensiven, üppig bepackten, doch lässigen Arrangements. Das schwungvolle „Now Here“ lässt perfekt Gereimtes ins Ohr fließen. Der US-Südstaatler kreuzt clever George-Harrison-Harmonien mit Simple-Minds-Pathos, Ultravox-Klangfarbe und einer ordentlichen Portion Mississippi-Rhythmik. Stimmsicher und mit Offbeats, die Nachdruck ausüben, stillen Parker Millsap, Peach Tree Rascals und Benny Sings Bedürfnisse nach süßen Melodien.

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