Konzerte im Palmengarten

Die Ohohohs: Roll over Beethoven

  • vonMarcus Hladek
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Ein Konzert-Weekend im Palmengarten ersetzt den „Summer in the City“.

Sechs Konzerte an drei Tagen umfasste das, was der Mousonturm unter Anspannung seiner Erfindungsgabe den peinlich befolgten Corona-Regeln abtrotzte, um einen Ersatz für die musikalische Sommer-Reihe in die Konzertmuschel zu zaubern. In Corona-Zeiten ist das schon Grund zur Dankbarkeit, selbst wenn bloß Mine sowie die „Titanic“-Boygroup sich mit nur einem Auftritt begnügten, während Dorothea Kerns „Dota“-Band und die „OhOhOhs“ die Zahl der Konzerte mit je zwei Performances hochschraubten.

Im Abendkonzert der „OhOhOhs“ kamen zunächst Oliver Leicht (sonst HR-Bigband) und Oli Rubow als „Temporärer elektronischer Salon“ zum Einsatz und nutzten ihn zur Nebenhommage an den überragenden Jazzsaxofonisten Charlie Parker. Den raffte es mit 34 dahin, am Tag des Konzerts aber wäre er 100 Jahre alt geworden ( FR v. 29.8.). Schon dem Eingangsstück mit (mutmaßlich) Parkers Stimme eignete etwas Hörspielhaftes, was es nicht hinderte, sich über all das Sampeln und die loungige Atmosphäre in naturhafte Stratosphärenhöhen empor zu schrauben.

Die OhOhOhs-Hommage des Tages galt indessen Ludwig van Beethoven (wird im Dezember 250), und zwar bereits im Nachmittagskonzert mit dem Pianisten und Organisator der Naxos-Hallenkonzerte, Leonhard Dering, der vielleicht auch die junge Sopranistin Maja Bader von Luzern nach Frankfurt lockte.

Zwei verspielte Florians

Besagter Beethoven-Bezug dominierte das Abendkonzert dann weniger ausschließlich. Zwar spielte Florian Wäldele jetzt immerhin Satz 3 und 1 der „Mondscheinsonate“ (Satz 2 als, laut Liszt, „Blume zwischen den Abgründen“ fehlte), doch kamen auch Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ in Baders Gesang und solche Stücke oder Passagen zu ihrem Recht, die mal vom Einfluss eines Philip Glass, mal von der mathematisch-verspielten Liebe zum Barock in Italien und anderswo zeugten. Auf Improvisationsgrundlage ist alles möglich. Florian Nummer zwei, Dreßler, tat am Schlagzeug und auf den Congas das Seine, selbst höfischen Klangströmen afrikanische Beat-Gerüste zu implantieren, was die Tastenvirtuosität von Flo 1 gerade so mächtig verrumpelte, wie es die klangliche Summe der Club- und Partymusik zutrieb. So etwas nennt man kreative Aneignung. Sie ist kein Frevel, sondern zollt Tribut und hält am Leben.

Mit Titelauskünften geizten Flo 1 und 2. Maja Bader trug später noch Rio Reisers „Lass uns ’n Wunder sein“ vor, was auf verqueren Wegen zumindest einen Hörer an Queens „Pretender“ erinnerte. Dass all dies ein seuchenhaft schütteres Publikum noch sogar zum Mitklatschen animierte, zeigte an, dass etwas funktioniert haben muss.

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