1. Startseite
  2. Kultur
  3. Musik

Die Münchner Philharmoniker in der Alten Oper Frankfurt: Von der Mühsal des Geniestreichs

Erstellt:

Von: Judith von Sternburg

Kommentare

Alexandre Kantorow in der Alten Oper.
Alexandre Kantorow in der Alten Oper. © Wonge Bergmann/Alte Oper

Thomas Hengelbrock, Alexandre Kantorow und die Münchner Philharmoniker spielen Wagner, Rachmaninow und Brahms.

Das Berühmte will und muss umso hochklassiger präsentiert werden. Dies gelang nun erschütternd gut den Münchner Philharmonikern im Verein mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock und dem Pianisten Alexandre Kantorow, die in der Alten Oper Frankfurt Wagner, Rachmaninow und Brahms spielten. Interessant, dass die Wahl auf drei frühe Werke gefallen war, die ihren Schöpfern jeweils Verdruss und Plage bereitet hatten, mit denen sie länger rangen und auch nacharbeiteten (so viel zur Vorstellung des raschen Geniestreichs, denn Geniestreiche waren es ja dann trotzdem, aber er dauert unter Umständen eben, der verfluchte Geniestreich). Alle drei Werke wurden im Anschluss zu Klassikern der Romantik, nicht wegzudenken, nicht anders zu denken. Der zähe Weg zum Zwingenden und Zwangsläufigen, auch er immer unvorstellbar für uns heitere Konsumentinnen und Konsumenten.

Schärfe ohne Plumpheit

Edel mattiert zunächst also die Ouvertüre zu Richard Wagners „Fliegendem Holländer“ in idealtypischem Vortrag. Acht Kontrabässe (nachher auch im großbesetzten Brahms zu erleben) passen nicht in jeden Orchestergraben, zugleich ergab sich daraus keinen Lärmen und Raunen, sondern ein lichtes, gut durchhörbares Klanggewebe, dem dann bloß die Fortsetzung fehlte.

Sergej Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 1 ist allerdings eine gute Ablenkung und der 1997 geborene französische Pianist Kantorow half dabei, indem er sich sensationell beiläufig in die Musik fallen ließ. Die Ecken der Partitur wurden vom Orchester scharf, aber nicht plump ausgespielt, Kantorow unterdessen war sehr aufmerksam, während sein Spiel sich Traumverlorenheit leisten konnte, eine phänomenale Verselbstständigung des musikalischen Geschehens. Auch das kann ja nicht stimmen: der beharrliche Eindruck, der ganze Kraft- und Geschwindigkeitsakt wäre für den Solisten kein Problem.

Wie ein logischer Anschluss an den „Holländer“ (das hätte Wagner allerdings nicht gerne gehört) war Johannes Brahms’ 1. Sinfonie, bei der noch einmal die Streichertutti aus München ihre frappierende weiche und intensive Homogenität zelebrieren konnten. Hengelbrock begann mit einem sehr langen Atemzug, zeigte überhaupt seinen Sinn für große, sanfte Bögen. Eine Spur hektisch wurde es eigentlich nur, als er doch einmal wieder in seiner Partitur auf die richtige Seite wollte. Glanzvoll die Konzertmeisterin, ebenso die Hörner. Es ist unmöglich, dieser Musik heute noch anzuhören, dass der Komponist seinerzeit nicht aus noch ein wusste.

Auch interessant

Kommentare