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Jazz

Die Energie des Anfangs

Luise Volkmanns Song-Suite „When the Birds Upraise Their Choir“

Vor anderthalb Jahren blickte das internationale Feuilleton zurück auf das misslungene, gleichwohl zum kulturhistorischen Mythos avancierte Popfestival in Woodstock im Kontext mit anderen markanten Ereignissen und Inhalten der Love-and-Peace-Ära der ausgehenden 60er Jahre. Den Anlass für diese Rückblicke lieferte das Dezimalsystem: Woodstock, das war 1969. Die Kölner Musikerin Luise Volkmann, die kürzlich den Darmstädter Kathrin-Preis zugesprochen bekam, ist viel zu jung für einen solchen Rückblick. Gleichwohl hat sie ihren Kompositionszyklus „When the Birds Upraise Their Choir“ dieser Ära gewidmet.

Songwriterin? Weit daneben!

Genau genommen sind es Songs, die sie geschrieben hat, mit instrumentaler Musik, die nicht Begleitung, sondern selbst Hauptsache ist, und mit Gesangsparts, die sich in und zu der Instrumentalmusik verhalten. Wenn man also die Vorstellung einer Singer-Songwriter-Stilistik vor Ohren hat, liegt man weit daneben.

Das Album

Luise Volkmann: When the Birds Upraise Their Choir. N Wog Records / Edel

Die Band, für die sie die Musik geschrieben hat, ist vom Line-up her eine große Jazzformation: 13 Musiker und Musikerinnen sind beteiligt, und keine und keiner von ihnen findet sich mit engen stilistischen Beschränkungen ab. Der Name der Band, „Été Large“, kann etwas wie „großer Sommer“ bedeuten, aber wenn man das Wort „été“ als Partizip ansieht, handelt es sich um die Aussage „groß gewesen“.

Auch die Musik beharrt auf Mehrdeutigkeit, und sie tut das mit einer polystilistischen Ruppigkeit, die alle zur Hörgewohnheit gewordenen Jägerzäune zwischen Musikgenres ignoriert. Immer wieder erklingt die für die späten 60er Jahre emblematische verzerrte Gitarre (Paul Jarrett), allerdings so freigeistig gespielt, dass man eher an bindungslosen Free Jazz als an die seinerzeit landläufige Blues- und Popsprache erinnert ist. Es gibt klassische Jazzphasen und Instrumentalsoli (etwa ein nachdrücklich melodisches Solo des Posaunisten Janning Trumann), es gibt Punk und Neue Musik, es gibt sanfte Lied-Strecken. Es gibt also allerlei, was konsensgesicherte Kontexte aufbricht. Und die Songtexte gruppieren sich zu einer schlaglichthaften Coming-of-Age-Erzählung.

Mit positiver Intensität

Luise Volkmann lässt im begleitenden Textmaterial keinen Zweifel an der positiven Intensität, mit der sie sich dem kulturellen Aufbruch der späten 60er Jahre widmet, und sie hat das Album ihren Eltern, vor allem ihrem Vater, gewidmet. Das längste Stück trägt den wenig verheißungsvollen Titel „You’re Getting Older Now“ und lässt kaum Zweifel daran, dass Älterwerden durchaus lästig ist und nicht unbedingt immer etwas Neues bereithält. In Umkehrung der Eltern-Kind-Rollenmuster und in Erfüllung der Geschichte vom Älterwerden schließt sie die CD ab mit einem „Schlaflied für meine Eltern“, das nicht im Geringsten nach Brahms klingt.

Luise Volkmann begreift die kulturelle Situation der späten Sechzigerjahre aus der Position einer sympathisierenden Nachgeborenen als eine Art Urknall, in dessen Beginn vieles unentmischt in einem verdichteten Durch- und Nebeneinander vorhanden ist, was sich später in immer kleinere Subkulturen dividiert. Die musikalische Polystilistik spiegelt hier eine rückblickende Sehnsucht nach etwas Ganzem, nach einem produktiven, anregenden Chaos und enthält eine vehemente Energie, die jeden Augenblick dieser Musik erfasst hat.

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