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Die besseren UB40: Ali Campbells Abschied von Astro

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UB40 featuring Ali Campbell & Astro
„Unprecedented“ - das letzte gemeinsame Album von Astro Wilson (l) und Ali Campbell. © Alex Barron Hough/Universal Music/dpa

Jahrzehntelang sangen sie zusammen bei UB40. Nach Streitereien formierten Ali Campbell und Astro ihre eigene Band. Das neue Album von UB40 featuring Ali Campbell & Astro ist die letzte gemeinsame Arbeit der beiden.

London - Die großen Erfolge von „Red Red Wine“ und „Kingston Town“ liegen lange zurück. In den vergangenen Jahren stand der Name UB40 für Negativschlagzeilen.

Von Streitigkeiten, Problemen mit dem Management und der Insolvenz einiger Mitglieder war zu lesen. Seit Jahren gibt es zwei Versionen der einst in Birmingham gegründeten Pop- und Reggae-Gruppe.

Immerhin erscheint nun endlich wieder neue Musik. Das Album „Unprecedented“ stammt genau genommen von UB40 featuring Ali Campbell & Astro, also der Spinoff-Band der beiden Originalsänger. Astro alias Terence Wilson war kurz nach den Aufnahmen gestorben.

Familienzoff

Vorausgegangen war eine komplizierte Geschichte. Kurz gefasst: Gründungsmitglied und Sänger Campbell hatte UB40, bei denen auch sein Bruder Robin spielt, 2008 wegen geschäftlicher Differenzen verlassen und war am Mikrofon durch seinen anderen Bruder Duncan ersetzt worden. Später folgten die langjährigen Mitglieder Astro & Mickey Virtue dem Frontmann. Als UB40 featuring Ali, Astro & Mickey gab das Trio Konzerte und nahm Alben auf, bis Virtue 2018 ausstieg.

„Unprecedented“ hatten die beiden Originalsänger Campbell und Astro als Duo noch gemeinsam im vergangenen Jahr fertiggestellt. Im November 2021 starb Astro alias Terence Wilson nach kurzer Krankheit mit 64 Jahren.

Die erste Single „Sufferer“, Coverversion eines Songs der kalifornischen Band The Aggrolites von 2009, ist ihm gewidmet. „Wir alle müssen leiden, aber leide du jetzt nicht“ - diese Textzeile entfaltet im Rückblick eine ganz neue Wirkung.

Originale und Coverversionen

UB40 feierten ihrer größten Erfolge mit Songs anderer Künstler. „Unprecedented“ ist eine Mischung aus Coverversionen und Originalen. „What Have I Done“, ein Highlight, war 2016 auf dem einzigen Album der New Yorker Daptone-Band The Frightnrs. „Lean On Me“ ist etwas zu nah am Original von Bill Withers. Eine angenehme Überraschung ist „Stay Another Day“. Die Ballade der Londoner Boygroup East 17 funktioniert als Reggae-Version ganz hervorragend. Die 13 Songs harmonieren gut miteinander.

Das Tischtuch zwischen den Campbell-Brüdern und ehemaligen Bandmitgliedern, die sich auch in Interviews regelmäßig angreifen, ist wohl für immer zerschnitten. Vor einigen Jahren leitete Robin mit seinen Kollegen wegen der Nutzung des UB40-Namens sogar rechtliche Schritte gegen Ali ein. Das letzte Wort in der Angelegenheit ist offenbar noch immer nicht gesprochen.

Urteilt man nur nach der Stimme, hat Ali Campbell klar die Nase vorn. Seine Ex-Band klang mit Duncan Campbell wie eine Cover-Truppe. Und, nachdem Duncan in Folge eines Schlaganfall aufhören musste, klingt sie auch mit dessen Nachfolger Matt Doyle so.

Hingegen zeigt der 63-jährige Ali Campbell auf seinem letzten Album mit Astro, wie UB40 zu klingen haben. „Unprecedented“ erinnert an frühere Zeiten, als UB40 nicht für Familienzoff standen, sondern für gute Musik. dpa

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