Jazz

Zug um Zug dezent

  • vonStefan Michalzik
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Till Brönner in der Alten Oper Frankfurt.

In einschlägigen Kreisen gilt Till Brönner mit seinem Softjazz für nicht satisfaktionsfähig; unbestreitbar freilich ist er ein Musiker von technisch exzellenter Virtuosität. In seinem Spiel auf Trompete und Flügelhorn ist alles gestochen scharf und makellos geschliffen. Man kann dem 46-jährigen, der vor einem voll besetzten Haus in der Frankfurter Alten Oper gastierte, manches ankreiden - beiläufig, wie Brönner mit seinen spieltechnischen Fertigkeiten umgeht, ist er alles andere als ein Schausteller. An einem individuell herausgebildeten Personalstil allerdings ist ihm offenkundig nichts gelegen. Weder ist sein Spiel stark im Ausdruck noch hat es einen Biss. Es wirkt bieder und brav. Die nach der Pause häufig gebrauchten elektronischen Effekte samt Eigenloops handhabt Brönner dezent. Wie überhaupt in einem gewissen Paradoxon das Dezente allgemein der hervorstechende Zug bei ihm ist.

Dankenswerterweise hat Brönner für dieses mal keine Standards gesanglich hingerichtet, wie noch auf dem im vergangenen Jahr erschienenen Album „The Good Life“, dessen Titel das Tourmotto hergegeben hat. „Ich schweife ab“, lautete angesichts der arg ausgiebigen und mäßig pointierten Ansagen der treffendste Satz des Abends. „Keine Angst, ich singe nicht“ der beruhigendste, wie dann doch eine kleine lautgesangliche Probe – hölzern und dünn – für die auf Toninho Horta zurückgehende Bossa-Nova-Nummer „Aquelas Coisas Todas“ noch einmal nachwies.

Alles wirkt aufs Kleinste abgezirkelt in diesem Musizieren auf Basis des modernen Mainstreams und des Fusionjazz, mit gelegentlichen Farbtupfern vom Fender Rhodes Piano, einem milde swingenden Groove und vielen Balladen. Bisweilen werden ansehnliche Soli aus der Band heraus hingelegt, etwa seitens des Pianisten Jasper Soffers oder des Gitarristen Bruno Müller. In der Spitze ist Magnus Lindgren an Tenorsaxofon und Flöte ein Partner auf Augenhöhe Brönners. Und dann gibt es in dem Septett einen Staffagemusiker, der üblerweise viele Nummern mit Synthieschlieren durchzieht.

Es sind keinesfalls in erster Linie wohlbekannte Standards, auf die Brönner an diesem Abend setzt. Manches Entlegene aber ist nicht zwingend der Ausgrabung wert, etwa Dave Grusins Themamusik zu dem Siebziger-Jahre-Agentenreißer „Die drei Tage des Condor“. Auch ist der Einsatz der Streicher auf Creed Taylors CTI-Label ganz sicher keine erinnernswerte Großtat der Jazzgeschichte – erst recht nicht, wenn die Streicher solche des Synthies sind. Doch wie auch immer: der Erfolg bei einem großen Publikum ist Brönner beständig sicher – mächtig der Jubel am Ende, gar stehende Ovationen.

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