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Elina Duni solo in der Alten Oper.

Jazzfestival

Deutsches Jazzfestival: Was alles in die Landschaft passt

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Das 50. Deutsche Jazzfestival beginnt mit einer ECM-Würdigung.

Auf einen Nenner zu bringen ist ECM nicht. Und doch steht die 1969 von dem Produzenten Manfred Eicher in München gegründete, unter dem Markenzeichen bekannte Edition of Contemporary wie kein anderes Label im Jazz im letzten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts für eine ganz bestimmte Klangästhetik der Stille und der Kontemplation, mit der bei aller Diversität der Künstler und Stile zuallererst das Bild von den nordisch-elegischen Klanglandschaften verbunden ist.

In einem Doppeljubiläum widmete die fünfzigste Ausgabe des Deutschen Jazzfestivals in Frankfurt, das mit dem Gründungsjahr 1953 beansprucht, das älteste kontinuierlich existierende Jazzfestival der Welt zu sein, den Eröffnungsabend in der Alten Oper dem runden Geburtstag von ECM. Aus der zweiten, wenn nicht gar schon dritten Generation heraus passt das erweiterte Trio um den dänischen Gitarristen Jakob Bro sehr genau in das Bild, das einst von Musikern wie Jan Garbarek und Terje Rypdal geprägt worden ist. Dabei wirken die schwebenden Klangfarbenspiele des großartigen Ensembles um Bro und Thomas Morgan am Bass, dem Schlagzeuger Joey Baron sowie dem Trompeter und Flügelhornspieler Palle Mikkelborg in ihrer verhaltenen, dann auch wieder momentweise expressiv ausbrechenden Intensität alles andere als formelhaft.

Orchestraler Jazz ist nicht besonders häufig im inzwischen mehr als 1500 Positionen umfassenden Bestand von ECM. Der jazzhistorisch eher seltene Fall des Bassisten als Leader und Komponist hingegen durchaus. Mit sprühender Dynamik bestach das um die hr-Bigband unter ihrem Dirigenten Jim McNeely erweiterte Ensemble Kolossus um den amerikanischen Bassisten Michael Formanek sowie Mary Halvorson an der akustischen Gitarre, dem Pianisten Alexander Hawkins und Patricia Brennan am Marimbaphon. Gespannt, mal kolossal brüsk, dann wieder geschmeidig elegant ist dieser brillant konturierte, so leichtfüßige wie komplexe Wurf auf polyphoner Grundlage.

Auratische Magie ist ein einendes Moment vieler ECM-Produktionen. Die schöpft die in der Schweiz lebende albanische Sängerin Elina Duni, die am späten Abend sich selbst an der akustischen Gitarre, Klavier oder Rahmentrommel begleitend sowie a cappella den Zyklus „Partir“ vorgetragen hat, aus Volksliedern aus der Balkanregion um Aufbruch, Abschied und Exil. Von Fall zu Fall ist der melismenreiche Gesang der vollmundigen Altstimme gesteigert mit Pathos besetzt; immer wieder öffnet Duni die Strophenlieder zu improvisatorischen Passagen. Anders als auf früheren Alben Dunis ist der Jazzfaktor gleichwohl nicht ausgeprägt. In die Weite des ECM-Spektrums passt diese Überschreibung einer überlieferten Musik allerbestens. Dem Festival allerdings hätte es besser angestanden, Duni im spannungsreichen Umfeld ihres Jazzensembles zu präsentieren.

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