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Daniil Trifonov und die von Paavo Järvi geleitete Deutsche Kammerphilharmonie Bremen im Kurhaus Wiesbaden.  

Rheingau Musik Festival

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen im Kurhaus Wiesbaden: Jauchzend und romantisch nervös

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Die Kammerphilharmoniker unter Paavo Järvi erhalten im Wiesbadener Kurhaus den Rheingau Musik Preis und können im Zusammenspiel mit Daniil Trifonov gleich hören lassen, warum.

Schön ist es, wenn bei einer Preisverleihung gleich die Probe aufs Exempel gemacht werden kann und sich der Adressat der Auszeichnung in seiner Würdigkeit erleben lässt. So geschehen im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses, wo der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen der Preis des Rheingau Musik Festivals verliehen wurde. Einem der profiliertesten und innovativsten Ensembles, wie Intendant Michael Herrmann betonte. Eine Auszeichnung, die vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst mit 10 000 Euro dotiert worden ist und einem Klangkörper gilt, der seit seiner Gründung als Studentenorchester 1980 mit vielen Projekten auch auf dem Tonträgermarkt sich exponiert hat – darunter einem sehr interessanten Beethoven-Zyklus und jüngst mit dem orchestralen Werk Johannes Brahms’.

Wobei der Name Kammerphilharmonie nicht mit kleindimensionierter oder gar schmalbrüstiger Klangbildung assoziiert werden sollte. „Kammer“, so legte die Hörerfahrung jetzt nahe, bedeutet Schlankheit, aber auch scharfes Profil, durchschlagende Tutti-Emission und, wo nötig, aufgeraute Textur mit einem Höchstmaß an quasi-solistischer Ereignishaftigkeit. Genau das Richtige für einen reinen Schumann-Abend, den man als pianistisches oder vokales Erlebnis sich immer gerne vorstellt, als orchestralen Ablauf aber eher mit planen Satzverläufen verbindet.

Immerhin gab es zwischen „Manfred-Ouvertüre“ und 2. Sinfonie das c-Moll-Klavierkonzert, wo Daniil Trifonov den Solopart realisierte. Trifonov und die Bremer sind in diesem Jahr Artist und Orchestra in Residence des Rheingau Festivals.

Eine interessante Verbindung, kam ein fordernder Ton des Bremer Tuttis doch blendend mit der gedeckteren, oft fast chopinhaft gerundet wirkenden Diktion des Solisten zur Übereinstimmung. Trifonov stellte nicht die Spitze der Bewegung schumannscher Evokation dar, aber doch entschieden das beseelende Element – gewissermaßen die innere Bewegung. Viel zur wunderbaren Synthese trug der mehr als nur Koordination anbietende Chefdirigent der Bremer Kammerphilharmonie, Paavo Järvi, bei. Zugewandtheit und Engagement stifteten schönste Eintracht.

Begonnen hatte man also furios mit der Manfred-Ouvertüre, eines der exemplarischen Schumann-Werke um einen zerrissenen, von romantischer Nervosität und himmelhochjauchzender Geste bestimmten Helden. Grandios explodierend, aufgewühlt, ruckartig seine Temperatur ändernd mit rhythmischen Querständen in großem Schwung: ein ästhetischer und musikantischer Intelligenzbeweis des Dirigenten und seines Orchesters.

Ebenso die 2. Sinfonie, wo sich enorme, jungdeutsche Verve mit einem Maß an idiomatischer Nähe zu Schumanns großem Vorbild Johann Sebastian Bach verband, wie man es sonst nicht erlebt. Ein Preisträgerkonzert der Sonderklasse.

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