Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit Joana Mallwitz, Leitung

Rheingau Musik Festival

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen: Der Bewegtheit zugetan

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Vom Sanguiniker und vom Melancholiker: Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Joana Mallwitz in Wiesbaden.

Der eine gilt als der Sanguiniker, der andere als der Melancholiker der Musikgeschichte: Mozart und Tschaikowsky, die beim Rheingau Musik Festival im Wiesbadener Kurhaus beziehungsreich aufeinander trafen. Beide Komponisten sind nämlich perfekte Sublimierer. Der eine jederzeit in der Austariertheit seiner Klangsprache, der andere in seiner famosen Tanz-Affinität der Ballette und deren Formderivaten allenthalben. Nur in der Sinfonik, seit Beethoven als schicksalsträchtiges Seelenbekenntnis-Medium geadelt, gibt sich der russische Meister anders – so auch in der 6. Sinfonie, die prompt den Beinamen „Pathétique“ erhielt.

Mit diesem Werk schloss der Auftritt der diesjährigen Residenz-Künstler des Rheingau Musik Festivals, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die Transparenz mit Spannkraft, Schlagfertigkeit mit Raffinessen der stimmlichen Vermittlung verbindet. Man trat mit der 33-jährigen Nürnberger Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz auf: einer Bewegtheit zugetanen Dirigentin großer Engagiertheit.

Orchester und Leitung taten der dauergespielten Sinfonie von 1893 gut, war mit knappem Strich und aufgrund der kleinen, gut 50-köpfigen Besetzung doch für schnelle Wechsel, und das Fehlen von breiten Orchesterauswalzungen gesorgt. Auf der Strecke blieben gewisse klangkörperliche Qualitäten: die kleine Streicherzahl bei einer naturgemäß gleich großer Anzahl der solistisch besetzten Bläsergruppen ließ von der tschaikowskyschen Exklamation bei aller Verve viel Knochen und Sehnen und eine gewisse Trockenheit und polternde Dynamik erscheinen.

Nichts von alldem beim Eröffnungsstück des Abends: der 4. Orchestersuite von 1887, die den Beinamen „Mozartiana“ trägt. Hier war die Bremer Klangmischung wie geschaffen für die Stilmaskerade; für das Talent Tschaikowskys, sich in der Rolle seines großen Vorbilds Mozart zu ergehen. Der Misanthrop als Sanguiniker und Musik als das perfekte Medium für alle Formen von Als-ob-Haltungen. Perfekt, wie Mallwitz und die Bremer das in Grade diverser klangmuskulärer Spannungen umzusetzen wussten.

Mozart war mit dem Es-Dur-Konzert für zwei Klaviere vertreten: ungetrübtes klavieristisches Pingpong über den familiären Spieltisch hinweg, denn für den Komponisten und seine Schwester Maria Anna war das Stück bestimmt. Absolut gleichmäßig zwischen den Händepaaren der blutsverwandten Kombattanten ausgespanntes Klangfigurengewebe. Von einer anfänglich forcierenderen Gabriela Montero und einem feinsinnig und bedeckter sich artikulierenden Igor Levit in schönster geschwisterlicher Stellvertretung präsentiert.

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