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Jakub Hruša, dirigiert die Bamberger in der Alten Oper.

Bamberger Symphoniker

Der Tanz und das Gebet

  • vonBernhard Uske
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Ein großer Abend in der Alten Oper: Die Bamberger Symphoniker unter Jakub Hruša spielen Bruckner.

Ein Versprechen hatte der neue Alte-Oper-Intendant Markus Fein mit seinen Begrüßungsworten aus Anlass des Konzerts der Bamberger Symphoniker in seinem Haus dem Publikum gegeben: Man werde die kommenden 70 Minuten kein einziges Mal an Corona denken. „Wer’s glauben tut...“, dachte man angesichts des schütter besetzten Saals. Aber er hatte Recht: Wo unter fürsorglicher Belagerung mit guten Wünschen und Verhaltensregeln aus Lautsprechern Angst und Gram das Zepter schwingen mochten, gab es klangliche Abhilfe. Und für die sorgte Anton Bruckners 4. Sinfonie, die wie ein reinigendes Gewitter über die versunken und bedeckt sich Haltenden kam. Applaus, der nicht enden wollte, war die dankende Antwort.

Das Orchester aus Franken, das hier die Wolken krachen, die Blitze einschlagen und die schönsten Regenbogen erscheinen ließ, war für das Orchestre Philharmonique de Radio France eingesprungen. Dem hatte das Virus die Ausreise aus der Heimat verhagelt. Statt César Francks d-Moll-Sinfonie und Karol Szymanowskis 2. Violinkonzert (mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja) wurde jetzt also die „Romantische“ des 1824 geborenen Bruckner in deren 2. Fassung von 1878/80 gegeben. Ein voluminöser Kosmos von Kraft und Innerlichkeit, von religiöser Inbrunst und derber Popularität. Der enorme Aufwand an Gestaltbildung, den der Komponist hier wie sonst auch betreibt – er wurde durch die in umfänglicher Zahl auf dem Podium versammelten Musiker in allen Partien als bildstarke, reich idiomatisierte Klangszenerie vermittelt.

Beben, rasen, verdämmern

Bruckner, ein gewaltiger Geschichtenerzähler, dessen Bühne das große Orchester und die Bedeutungskraft von geronnenen Mental- und Sozialfiguren ist: Der Tanz und das Gebet, der Marsch und der Choral, die bebenden, rasenden und verdämmernden, wie vegetative Aktivität wirkenden Streichertremoli-Flächen.

Das klang hinreißend plastisch unter dem souveränen und auf große Emphase setzenden Dirigat von Jakub Hruša, der seit 2016 Chefdirigent des Orchesters als Nachfolger Jonathan Notts ist. Brillant die Hörner, die höchst körperlich wirkenden Streicher-Emissionen, die Strahlkraft des schweren Blechs und die Wucht der Pauken. Dabei blieb die eigentümliche strukturelle Dimension dieser Musik gewahrt, ihr bilderbogenhaft Additives als deren singulärer Stellung in der Musikgeschichte. Auch die ganz unorganisch wirkende Verlaufsform, die durch Formschematismen eine Klammer hat.

Bruckner als Solitär unter den großen Gestaltern der Gründerzeit, der dem gemeinen Leben als einem Auf und Ab in Figur und Harmonie eine Plattform der Verherrlichung verschafft – das war das Zündende und Immunitätsstärkende dieses großen Abends.

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