Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dave Hause holt diesmal keinen Alligator aus der Schublade.
+
Dave Hause holt diesmal keinen Alligator aus der Schublade.

Dave Hause „Paddy / Patty“

Der stille Punkrocker

  • vonOlaf Velte
    schließen

Zurück zur Essenz: Dave Hause mit Songs von Patty Griffin und Paddy Costello.

Als hätte er es vorausgesehen. Heillose Verwirrung und geistige Verderbtheit, den grausamen Verfall des US-amerikanischen Wertehaushalts. Von dem „dead nation’s bastard son“ ist hier ebenso die Rede wie von „Time was a war time economy / was a silver lining to tragedy.“ Zeilen, die aus einer anderen Ära stammen, unlängst von Dave Hause aber neu inszeniert wurden.

Der aus Philadelphia stammende Gitarrist und Sänger hat sich nach einem langen Tourneejahr unters eigene Dach begeben, um zehn Songs fremder Herkunft einzuspielen. Zwei Urheberschaften, zwei unterschiedliche Genres: Die Hälfte der Stücke stammt aus der Feder von Folk-Ikone Patty Griffin, den Rest stellen die Punkrock-Mannen von Dillinger Four zur Verfügung. Gesellschaftskritisches Gespür ist jedem der Beteiligten gegeben, stets paart sich das – wie man so schön sagt – Private mit dem Politischen. 42 Lebensjahre hat Hause jetzt auf dem Buckel, davon den Großteil mit der Sechssaitigen vor dem Bauch. Was unter dem Einfluss von Springsteen und Metallica, The Clash und Iron Maiden anhebt, mündet in der Gründung mehrerer lokal verorteter Hardcore- und Punk-Formationen. Heute gilt er als ein Songschreiber, der zwei Welten in sich vereinigen kann und seit 2011 vier Alben fertiggestellt hat.

Mit der gerade erschienenen „Paddy / Patty“-Sammlung wird kein Alligator aus der Schublade entlassen – es gilt einzig, die Wiederkehr großartiger Songs zu feiern. Und Dave Hause tut das, was nötig ist: So wenig wie möglich. Spartanisch instrumentiert, entfalten sich die Kreationen der 1964 geborenen Griffin und des aufmüpfigen Patrick „Paddy“ Costello aufs Hörenswerteste. Sehr zurückhaltend setzen Brian Fallon, Will Hoge und Jake Blount einige Klangtupfer, während Laura Stevenson und Lilly Hiatt ihre Stimmen unaufdringlich beigeben.

Das Album:

Dave Hause: Patty / Paddy. The Orchard/ Bertus Musikvertrieb.

Es ist eine klassische Herangehensweise, die den Hause-Mann und vormaligen The-Loved-Ones-Recken in die Anfangszeit aller Mühen verweist. Der Gitarre vertrauen, der Botschaft vertrauen, dem Rock’n‘ Roll-Satanas die Seele verpfänden. Wenn hier die Costello-Dillinger Four-Stücke ins Gebet genommen werden, folgt auf Zorn kein Zorn.

Ach, wie haben die Punkbrüder einst gesägt und geschreddert, Tempo gebolzt und Lyrics gebrüllt. Im Hause-Zugriff ist jede aggressive Note getilgt, im Kern der Komposition ducken sich balladenhafte Zartheiten. Wurde ein „fuck ’em all“ je zartfühlender hingesungen, so müde, so schicksalsschwer? Schon die Titel erzählen, was los ist: „Minimum Wage Is a Gateway Drug“ zum Exempel. Oder „The Great American Going Out Of Business Sale“.

Auch die Patty-Abteilung mit ihren 18.47 Minuten kennt keine Lückenbüßer. Griffin, deren volltönende Kehle ja mit Goldstaub gepudert ist, hat ihre holden Weisen gerne akustisch rhythmisiert – Dave Hause greift nun in die Elektrische, sparsam-prägnant, ein archaisches Element. Zum ersten Mal gehört, bleiben diese Variationen lange im Gedächtnis. Uns Mondsüchtigen wird der „Moon Song“ – auch andere Sänger haben sich daran vielfach erprobt – auf ewig heimleuchten.

Am Ende fällt der letzte Vogel vom Himmel, verklingt der letzte Sirenenschrei – kein Urian aber vermag den Trost von „When It Don’t Come Easy“ zu bannen. Dave Hause, der stille Punkrocker und Flanellhemden-Freund, lässt niemanden in der Öde zurück: „If you forget my love / I’ll try to remind you / and stay by you when it don’t come easy.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare