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Der schwedische Posaunist Nils Landgren (gelbes Hemd) mit Stefan Lottermann.
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Der schwedische Posaunist Nils Landgren (gelbes Hemd) mit Stefan Lottermann.

Der Puristenschreck

  • VonStefan Michalzik
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Nils Landgren improvisiert mit sich selbst in der Alten Oper.

Ein „Festival der Entdeckungen“ will Fratopia sein, die neue Marke im Programm der Frankfurter Alten Oper, die Markus Fein mit Beginn seiner Intendanz an dem Haus eingeführt hat. Der hochgesteckte Anspruch geht dahin, Utopien zu entwickeln, für Frankfurt und für den Konzertbetrieb. Wenn es um die Entdeckung von musikalischer Terra incognita geht, ist Nils Landgren bestimmt nicht der erste, der einem einfällt. Der schwedische Posaunist ist einer, der nicht besonders zahlreichen veritablen Stars im europäischen Jazz – und er ist ein Puristenschreck. Seine Popularität hat er in den neunziger Jahren mit seiner partyesken Funk Unit begründet; gleich ob er sich mit Popsongs beschäftigt oder mit schwedischen Volksliedmelodien, allweil ist alles ausgesprochen publikumsfreundlich.

Kein Jazzposaunist nach wie vor, der an dem 2005 verstorbenen Albert Mangelsdorff vorbeikommt, dem Landgren mit dem zweiten Konzert dieses Doppelabends zu Beginn seiner Jazz-Residenz an der Alten Oper eine Reverenz erwiesen hat. Ein Erbe Mangelsdorffs im engeren Sinne ist Landgren nicht; viel näher an ihm dran ist Stefan Lottermann, den Landgren hinzugeholt hat. Ein Musiker des Klangs, weit davon entfernt, Mangelsdorff zu kopieren.

Ist die Stimme gespielt?

Viele Posaunisten wenden die von Mangelsdorff zu neuen Horizonten getriebene alte Technik der „Multiphonics“ an, das zweistimmige Spiel mittels Überblastechnik – „aber schlecht“, wie Lottermann in einem Gespräch mit dem Musikdramaturgen Hans-Jürgen Linke (früher Redakteur und heute Autor der FR) vermerkte. Einem Gespräch mitten im Konzert, in dem Landgren, Linke und Lottermann gleichsam eine improvisierende Jazzcombo gebildet und Dinge in einer anregenden Weise erhellt haben. Bei den meisten Posaunisten, so Lottermann weiter, klingen die Multiphonics wie aufgepfropft; bei Mangelsdorff hingegen sei es schwer gewesen zu unterscheiden, welche der Stimmen die gesungene und welche die gespielte ist. Immer wieder holt sich Landgren vorzügliche Musikerinnen und Musiker an seine Seite. Im ersten Konzert waren das diegroßartige Bassistin Eva Kruse sowie Eva Klesse, eine der bemerkenswertesten Schlagzeugerinnen weit und breit.

Das Trio präsentierte sich als Solistenensemble mit einer fabelhaften dynamischen Spannkraft. In Filmeinblendungen – mit „Nils & Frankfurt“ ist das Konzert überschrieben gewesen – erkundet Landgren markante Orte in der Stadt und improvisiert dort. Auf der Bühne improvisiert er mit sich selbst im Film – das mag als Idee etwas neckisch erscheinen, musikalisch hat es jedoch verfangen.

Immer wieder auch tritt Landgren mit seinem „zweiten Instrument“ in Erscheinung, seiner Stimme, die in einer faszinierenden Art schmal und brüchig ist und die er ähnlich instrumental führt wie einst Chet Baker.

In der erweiterten Besetzung mit Lottermann sowie dem furios spielenden Gitarristen Arne Jansen hernach krachende Jazzfusion wie auch Momente der fokussiert-gedämpften klanglichen Tektonik. Süffige und saftige Musik, von einer überrumpelnden Kraft und Intensität.

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