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Der Cäcilienchor Frankfurt mit César Francks „Les Béatitudes“ – Selig sind außerdem die Zuhörenden

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Von: Bernhard Uske

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„Les Béatitudes“ in der Alten Oper Frankfurt. Foto: Wolfram Runkel
„Les Béatitudes“ in der Alten Oper Frankfurt. Foto: Wolfram Runkel © Wolfgang Runkel

Der Cäcilienchor stellt dem Frankfurter Publikum César Francks „Les Béatitudes“ vor.

Seit 34 Jahren leitet Christian Kabitz den Cäcilienchor, der den 200. Geburtstag César Francks zum Anlass nahm, dessen Oratorium „Les Béatitudes“ aufzuführen. Kabitz ist das zweistündige Werk für groß besetzten Chor (zusammen mit dem Cäcilienchor sang der ebenfalls von Kabitz geleitete Bachchor Heidelberg) und Sinfonieorchester sowie acht Solo-Stimmen ein Herzensanliegen, seit er es in Paris 1970 gehört hat; Aufführungen der „Béatitudes“ sind bis heute weltweit mit der Lupe zu suchen. Nach mehr als 50 Jahren also ging im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt ein Wunsch in Erfüllung und machte das hiesige Publikum mit jenen „Seligpreisungen“ bekannt, die Franck auf die sogenannte Bergpredigt Jesu im Neuen Testament komponierte und 1879 vollendete.

Die doppelte Kraft

Die acht, immer mit „Selig sind die ...“ eingeleiteten Sätze Jesu, die dann etwa mit einem „die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“ weitergehen, werden von einem manchmal hülsenhaft wirkenden Text Joséphine Colombs ausgestaltet: illustrativ-dramatisch, reflexiv oder dialogisch. Gelegenheit für exquisite chorische Klangzüge und dramatische orchestrale Expositionen: ein Fresko in mal weichem, mal metallischem Ton. Ein gewisser hymnisch-andachtsvoller Duktus grundiert den französischen Klassizismus, der sich mancher Attitüde der Revolutionsmusik bedient. Die Kraft der beiden Chöre vermochte das Vokal-Relief zwischen nazarenischer, homogener Flächigkeit und aufbrausender Gewalt samt Fuge und feiner Lineatur in schönster Synthese vorzustellen.

Älter als César Franck und Cäcilienchor zusammen war das Orchester, das einen hervorragenden Beitrag zum Gelingen des Abends leistete: die Staatskapelle Weimar, die 1491 begründet wurde und mit der Namen wie Bach, Liszt, Wagner, Strauss verbunden sind.

Mit den acht Solo-Stimmen hatte man eine glückliche Hand – auch mit dem Satan, den Wilfried Staber ungemein durchschlagend verkörperte. Sein jesuanischer Gegenpart in schöner und nicht zu zart getragener Art war Hanno Müller-Brachmann. Eine schöne helle und geschmeidige Stimme bot Tenor João Terleira. Trefflich waren Sebastian Köppl und Konstantin Ingenpaß. Bei den weiblichen Stimmen war Louise Lotte Edlers Mezzosopran die ausdrucksstärkste Stimme. Makellos auch die beiden anderen Frauenstimmen Hanna Zumsande (Sopran) und Barbara Buffy (Alt). Dafür, dass Christian Kabitz sich einen Jugendtraum erfüllte, navigierte er gänzlich unaufwendig durch die flachen, brandenden und tiefen Gewässer der Partitur.

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