Frankfurt

Bob Degen im Jazzkeller: Immer offen, ziemlich elegant

  • vonStefan Michalzik
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Bob Degen mit famoser Trioformation im virtuellen Frankfurter Jazzkeller.

Einer der einflussreichsten Pianisten des modernen Jazz“, heißt es in Reclams Jazzlexikon. Am Weltformat von Bob Degen besteht kein Zweifel, ebenso richtig ist freilich der Befund, er sei „nur wenigen Spezialisten ein Begriff“. Über eine umfangreiche Diskografie unter eigenem Namen hinaus unterstrich der 1944 in Pennsylvania geborene und schon lange in Frankfurt lebende Musiker seinen Rang als Sideman bei internationalen Größen: von Dexter Gordon und Paul Motion bis zu Gary Peacock. Er arbeitete zusammen mit Albert wie auch Emil Mangelsdorff, Alfred Harth, Heinz Sauer und Jürgen Wuchner, nicht zuletzt prägte er über Jahrzehnte hinweg das HR-Jazzensemble mit.

Zwischen den historischen Antipoden Bill Evans und Thelonius Monk hat Bob Degen seine eigene stilistische Position herausgebildet, gekennzeichnet durch eine große, keineswegs mit einem Stilpluralismus zu verwechselnde Offenheit. Die Waage neigt sich leicht hin zur Eleganz von Evans. In einem (weiterhin über Youtube abrufbaren) Livestreamkonzert aus dem Frankfurter Jazzkeller präsentierte der 76-jährige sich in einer famosen Triobesetzung, Teilmenge seines derzeitigen Quartetts: mit Thomas Bachmann an Tenor- und Sopransaxofon und dem Bassisten Ralf Cetto. Degens Kompositionen lassen reichlich Raum zur solistischen Entfaltung aller Musiker und bleiben darüber formal geschlossen. Ein entspannt swingender Groove gleich zu Beginn, viel mittleres Tempo, dazu einige Balladen, immer wieder auch mit einem gestrichenen Bass und mit einer warmen Sanglichkeit auf dem Tenorsaxofon.

Der Chef auf Exkursion

In einem unbegleiteten Anfangsteil begibt sich Bob Degen auf eine Exkursion in eine spätromantisch-impressionistische Klangwelt. Sie weitet sich mit dem Einstimmen seiner Mitmusiker in eine atmosphärische Tieftönigkeit, die ein wenig an die frühen Abstraktionen eines Jimmy Giuffre erinnert. Gespielt wurden Kompositionen Degens, dazu eine spannungsvoll tempogeminderte Anverwandlung der Thelonius-Monk-Nummer „Monk’s Dream“. Degens Spiel zeichnet sich durch eine fein abgestufte klangliche wie dynamische Differenziertheit aus – und nicht zuletzt durch eine ungemeine technische Souveränität.

Kraftvoller Applaus immer wieder von einem internen Kreis – von September an will sich der Jazzkeller, wie der selbst schon legendäre Kellerwirt Eugen Hahn zu Beginn verhieß, wieder für ein Publikum vor Ort öffnen.

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