Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Greentea Peng.
+
Greentea Peng.

Musik

Debütalbum von Greentea Peng: Heilung mit 432 Hertz

  • VonStefan Michalzik
    schließen

Spiritualität und politischer Impuls: „Man Made“, das Debütalbum der Londonerin Greentea Peng

Die Musik von Greentea Peng ist ein Reich der – mal mehr, mal weniger – schleppenden Rhythmen, die Stimme klingt eine Spur verhangen. Stiefverwandt erinnert das an den TripHop der neunziger Jahre, nicht zuletzt auch ob der auch bei Greentea Peng vorhandenen Verbindung zum Reggae. Erykah Badu, Lauryn Hill, das sind die wichtigsten pophistorischen Bezugsgrößen für den einzigartigen Ansatz der aus Südlondon stammenden Mittzwanzigerin. Mit ersterer teilt sie besonders die Spiritualität, mit letzterer besagte Anknüpfung an den Reggae, von dem sie sich in ihrer psychedelischen Musik allerdings entschieden weiter entfernt, viel freigeistiger damit umgeht als Hill.

„Make Noise“ heißt der erste Song auf „Man Made“, ihrem Debütalbum, konträr zum Klangbild. Greentea Peng ruft darin Krishna und Jah an und auch ihren im vergangenen Jahr verstorbenen Vater, auf dass „Babylon“ – das Bild für das verderbte westlich-kapitalistische System bei den Rastafari – fallen möge. Fernsehen heißt bei ihr „tell-lie-vision“ – ein Instrument zum Sedieren der Leute.

Die Instrumente sind bei Greentea Peng auf 432 Hertz gestimmt, einen Halbton tiefer als in der westlichen Musik gebräuchlich. Damit liegt sie auf einer Linie mit Verdi und Pavarotti sowie Nikolaus Harnoncourt und der historisch informierten Musikbewegung. Der Klang ist dunkler und wärmer – sie selbst schreibt ihm eine beruhigende, gar heilende Wirkung zu.

Die spirituelle Seite geht bei Greentea Peng wie schon seinerzeit in der afroamerikanischen Musik der sechziger Jahre fugenfrei mit einem politischen Impuls zusammen. Die Tochter einer Afrikanerin und eines Arabers – eigentlich heißt sie Aria Wells, den Aliasnamen hat sie von ihrer liebsten Teesorte hergeleitet – plädiert unter anderem auf eine Gemeinschaft der „brothers and sisters“ und für die Rechte der People of Color. Mögen halluzinogene Pilze dabei hilfreich sein oder auch – beides klingt in den Texten an – die hinduistische Göttin Kali. Der Song „Free My People“ plädiert auf die Freilassung von Inhaftierten, die wegen Drogenvergehen einsitzen. In ihrer Jugend ist Greentea Peng jahrelang von einem Medikament gegen Angstzustände und Panikattacken abhängig gewesen.

Einhergehend mit dem Album hat Greentea Peng ein Manifest veröffentlicht, in dem unter anderem die Rede von einer Erforschung des Selbst wie auch des Sounds sowie von einer Verschiebung innerer wie äußerer Paradigmen die Rede ist. Und eben von Heilung. Für das Selbst wie für die Gesellschaft.

Immer wieder tauchen easy-listening-hafte Samples auf. Samples? Könnte man meinen. In Wirklichkeit ist es Greentea Pengs famose Band, sie nennt sie The Peng Peng Family, die die Musik für diese vermeintlichen Samples hervorbringt. Da klingt mal eine Flöte nach Herbie Mann oder ein Bläsersatz nach Herb Alpert, dann erinnert der Sound von Keyboards an jenen auf den Alben von Stevie Wonder in den siebziger Jahren.

„We like to party hard“ - das lässt sich natürlich als ein Stoßseufzer in dieser Pandemie-Zeit auslegen. Aber auch unabhängig davon stellt sich der Song „Party Hard Interlude“ als ein hedonistischer Appell zur inneren Befreiung und zu Selbstermächtigung dar. „You’ve got the right to remain party/You’ve got the right to lift up your soul“. Die Musik aber nimmt erst zum Schluss, in „Jimtastic Blues“, der letzten Nummer, einen Drive auf, mit einem ungeahnten Hauch von Feelgood-Hit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare