Ólafur Arnalds

Und dazu jene Töne, auf die er keinen Einfluss hat

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Die andächtig machende „Postklassik“ des Pianisten Ólafur Arnalds in Frankfurts Alter Oper.

Wenn es, über den Schutz der einzelnen Komposition hinaus, ein Patentrecht gäbe für eine spezielle Art des Komponierens – Arvo Pärt könnte sich freuen. Weite Teile der Musik von Ólafur Arnalds sind derart eng an den mystisch geprägten Minimalismus des estnischen Komponisten angelehnt, dass der Befund eines Epigonentums schwerlich bestritten werden kann. Ein Umstand, der dem Erfolg bekanntlich nicht im Wege stehen muss.

In seinem weißen Oberteil und den pluderig weiten schwarzen Hosen sieht Ólafur Arnalds aus wie der Teilnehmer eines esoterischen Wochenendseminars. Das passt nicht übel zu der Musik des 32-jährigen Isländers, der unter dem Etikett der sogenannten „Neoklassik“ gehandelt wird, selbst aber lieber von „Postklassik“ spricht. Meinetwegen. Zum Konzert in der Frankfurter Alten Oper mit einem Repertoire, das wesentlich auf das jüngste Album „re:member“ zurückgeht, hat der Komponist, Pianist und Keyboarder ein Streichquartett mitgebracht und einen teilelektronifizierten Schlagwerker. Letzterer, nicht in allen Stücken beschäftigt, trägt hier und da einen gewissen Popgroove ein.

Es geht hier um Schönklang. Ungetrübt, den ganzen Abend über, inszeniert mit meist fahl gedimmten Lichtstimmungen, gerne auch dramatischem Licht von unten oder hinten. Es herrscht eine andächtige Stimmung im Saal. Zwar gibt es Applaus zwischen den Stücken, sie reihen sich jedoch in einer Art zusammen, die praktisch ein großes durchgängiges Ganzes ergibt.

Gedimmt ist das Licht, gedimmt ist die Musik. Gleich nun, ob das Klavier hervortritt, das Cello, die Bratsche oder eine der beiden Geigen: das Prinzip ist immer das einer minimalistischen Repetition. Arnalds sitzt am Flügel, es sind aber noch zwei präparierte Klaviere über eine eigens entwickelte Software elektronisch angeschlossen; dem Vernehmen nach hat Arnalds auf die zusätzlichen Töne, die einhergehend mit seinem Anschlag erklingen, keinen Einfluss.

So futuristisch, wie man nun meinen könnte, klingt das allerdings nicht; es handelt sich eher um einen akustischen Weichzeichnereffekt. Nein, das ist – Stichwort „Postklassik“ – ganz gewiss keine Zukunftsmusik. Stehende Ovationen zum Schluss. Ólafur Arnalds vermag sein Publikum hinzureißen. Eine Postavantgarde von vor vierzig Jahren kopieren – kann man machen, und offenbar mit immensem Erfolg. Einen Preis für musikalische Innovation gibt es dafür nicht.

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