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Dawn Richard.
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Dawn Richard.

Dawn Richard

Dawn Richard „Second Line: An Electro Revival“: Wie die Zukunft von New Orleans klingt

  • VonStefan Michalzik
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Dawn Richard spielt mit der Tradition und den Stilen auf ihrem Album „Second Line: An Electro Revival“

Dawn Richards Karriere hat Mitte der nuller Jahre begonnen, in der Welt des Musik-Big- Business. Zuerst als Mitglied der von P. Diddy gecasteten R’n’B-Girlgroup Danity Kane und kurz darauf in dem gleichfalls von ihm zusammengestellten HipHop-Trio Dirty Money. Hinter ihren Soloalben, deren sechstes nun vorliegt, steht der Wunsch nach einem selbstbestimmten Musizieren als schwarze Frau. Geboren wurde Richard 1983 in New Orleans, jener Stadt, die als Wiege des Jazz gilt und deren Musikkultur besonders von Vermischung geprägt ist. Auf ,,Second Line: An Electro Revival“, schlägt Richard den Bogen von ihrer Heimatstadt zu Musikrichtungen mannigfach, weit hinaus über Techno und House aus Chicago und Detroit. Blasinstrumente sind keine zu hören: Nostalgie ist, bei aller Rückbesinnung auf die Wurzeln, programmatisch ausgeschlossen.

Dieses Album taugt für den großen Erfolg im Mainstream, es handelt sich um Pop im ganz klassischen Sinne. Ein Gutteil der Songs sind Balladen. Die eine wartet mit hibbeligen Breakbeats auf, die nächste mit einem männlich/weiblichen Call-and-Response-Chor nach afrikanischem Vorbild wie von fern im Hintergrund. Mal schiebt sich ein ambienthaftes Interludium dazwischen, bevor in einem weiteren Song ein ganz reduziertes Bassriff das tragende Element ist. In ,,Le Petit Morte (a lude)“ wird die Stimme einzig vom Klavier begleitet, mit der geloopten Einleitung aus Beethovens Mondscheinsonate. Ausgesprochen fein differenziert im Übrigen auch der Umgang mit dem Autotune-Effekt.

Das Album:

Dawn Richard. Second Line: An Electro Revival. Merge Records/Cargo.

Das ganze Album hindurch sind immer wieder Schnipsel aus Gesprächen mit der hörbar betagten Mutter von Dawn Richard eingestreut, womit sie an ihr vorhergehendes Album, ,,New Breed“ (2019), anknüpft, dessen übergreifendes Motiv die Auseinandersetzung mit dem Vater war. ,,Wie oft warst du verliebt?“ ,,Einmal, in deinen Vater.“ Der stammte aus Haiti und ist in den siebziger Jahren Sänger der Funkband Chocolate Milk gewesen; die Mutter betrieb eine Tanzschule. Deren Worte ,,I’m a Creole girl“ hat Dawn Richard geloopt.

Über House und Techno hinaus spielt Dawn Richard Stile wie Footwork und Bounce an, eine basslastige HipHop-Variante, die im New Orleans der späten 80er entstanden ist. An anderer Stelle schimmert Perkussion aus der Karibik durch. Das stellt sich nicht als Zitathölle dar, die Musik ist getragen von Stilbewusstsein. Ebendieses ist es auch, das das Verhältnis zur Tradition prägt.

„Schwarze Menschen“, hat Richard in einem Interview gesagt, ,,werden viel zu wenig gefeiert in der elektronischen Musik. Vor allem Frauen“. Sie wolle zeigen, dass eine Frau eine Produzentin sein und ein Album machen kann, „das verwurzelt ist in Tradition und Soul, aber wunderschön in die elektronische Welt passt“. Mit Blick auf den Song „Bussifame“ hat sie erläutert: „Das ist eben nicht der Second Line Sound der Marching Bands mit Blasinstrumenten“. Die Kadenzen und der Rhythmus entsprechen zwar denen einer Second Line. ,,Aber ich wollte hier auch noch Chicago House und Detroit-Einflüsse einbauen. Du meinst vielleicht, New Orleans herauszuhören, aber du kriegst es in einer völlig anderen Verpackung. Ich will New Orleans in die Zukunft bringen.“

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