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David Hasselhoff auf Tour.

Jahrhunderthalle

David Hasselhoff in Frankfurt: Eine Generation will ihre Kindheit zurück

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David Hasselhoff in der Jahrhunderthalle.

Vor einigen Monaten lief auf Arte eine Dokumentation über David Hasselhoff. Dass es einen leicht gehässigen Kult um ihn gibt, griff diese auf, aber sie behandelte ihn dadurch mit Respekt, dass er selbst immer wieder zu Wort kam. Er erzählt, dass er Kunst machen wollte, an den Broadway, Kritikerinnen beeindrucken.

Nun, während dieses Konzerts in der Frankfurter Jahrhunderthalle, bei dem David Hasselhoff David Bowie covern wird und Willie Nelson, aber auch den Limbo Dance spielt und dazu Menschen aus dem Publikum mit Smartphones in der Hand unter einer Stange durchtanzen, ist das Erstaunliche, dass der Trash und die ironische Herablassung fehlen. Womöglich überrumpelt es, dass Hasselhoff präsent und charmant ist, er weniger einsam und weniger gepeinigt wirkt, als zumindest ich befürchtete.

In der Halle ist nicht wahnsinnig viel los, der Durchschnitt Mitte dreißig, meine Generation will ihre Kindheit zurück. Dass Hasselhoff damals miese Kunst fabrizierte, ist auch hier sicht- und hörbar (die neueren Songs sind etwas besser). Er covert „Country Roads“, er spielt Musik, die auf deutschen Volksfesten läuft, und ich denke an die Niveaulosigkeit meiner Jugend auf diesen Volksfesten, die unzähligen sexuellen Grenzverletzungen, die rassistischen Sprüche, die Gewalt der Mehrheit im Festzelt. Aber, ja, hier ist für mich Wärme drin, größer noch: Würde, die Stimmung ist gut, und das nicht auf Kosten anderer.

Seine Band meint es ernst, sie klingt professionell. Sein Schritt ist etwas wackelig. Immer wieder ist da das Wissen um seinen Weg der letzten Jahrzehnte, den Alkohol, den Spott, die Internetmemes. Da hatte jemand unstrittig gigantischen Erfolg mit „Knight Rider“ und „Baywatch“ und natürlich „Looking for freedom“, aber er wurde immer verlacht von denen, die sich auf ihren distinguierten Geschmack etwas einbilden. Aber David Hasselhoff ist kein Til Schweiger, der wurde auch immer verlacht, aber ist doch meist glücklich durchs Leben gekommen und hat dabei seine Stammtischkritik der Presse runtergebetet. Hasselhoff ist nicht bitter, auch hier scheint er seinen Frieden gemacht zu haben. Er spielt den Mist, er spielt Ambitionierteres, er tut beides ohne Verachtung.

Andere von damals spielen jetzt nur noch auf Mallorca vor Leuten, die morgens in ihrem Erbrochenen aufwachen. Er spielt „Everybody sunshine“ in der Jahrhunderthalle vor Tausenden, animiert zum Mitklatschen, er grinst breit.

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