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Weil’s so schön war

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Drei neue Alben von alten Bekannten – und ein altes, von jüngeren Bekannten frisch gesungen.

Sanft: David Crosby war nie weg, aber er war auch schon lang nicht mehr so hier wie auf seinem neuen – na ja, nicht mehr ganz so neuen Album „Here If You Listen“. Als er damit Ende des vergangenen Jahres in den Radiosendungen auftauchte, war das ein wundervolles Wiederhören, Staunen und Gänsehautkriegen. Das Auftaktstück „Glory“ vielstimmig im Chor mit Becca Stevens, Michelle Willis und Michael League ausgebaut: wunderschön. Das Album verzichtet konsequent auf Schlagzeug und bringt dafür umso mehr Gefühl, Gesang, Gitarre. Es schließt mit einer ebenso sanften Version von Joni Mitchells „Woodstock“, und wer hätte mehr Recht, den Song hervorzuholen, als der inzwischen 77-jährige Byrds-Gründer? Er war schließlich damals mit den Kollegen Stills und Nash dabei in Woodstock.

David Crosby: Here If You Listen. BMG/Warner.


Böse: Die niederländische Metal-Band Within Temptation setzt seit gut 20 Jahren recht erfolgreich auf das Konzept: Böse sich gebärdende Männer machen viel Krach, aber symphonischen Bombast-Krach, und die engelsgleich inszenierte Sängerin Sharon den Adel veredelt das Ganze. Die amerikanischen Kollegen von Evanescence trieben das zur Perfektion, aber die europäische Version kann sich auch hören lassen. Fürs neue Album ließ sich die Band nach eigenen Angaben von anderen Bands inspirieren, um noch bombastischer, rauer, düsterer zu werden, mit noch fetteren Bässen – und mit einer ziemlich fett aufgetragenen Botschaft: „Es ist wichtig, zu widerstehen, denn in der heutigen Gesellschaft werden die Menschen durch soziale Komponenten immer weiter unterdrückt. Ein Prozess, der von Machthabern, Diktatoren, aber auch von internationalen Großkonzernen gelenkt wird.“ Vielleicht hilft ja Musik.

Within Temptation: Resist. Vertigo Berlin/Universal.


Wütend: Mit jagendem Alternative-Rock und politischen Botschaften gegen Rassismus eroberte Skunk Anansie aus Großbritannien die Musikwelt. „Er versuchte, mein Schwarzsein zu intellektualisieren, um es einfacher für sein Weißsein zu machen“, brüllte Sängerin Skin ihrem Publikum entgegen, und: „Wer hat das Hakenkreuz an die Wand gemalt?“ Und bezauberte mit ihrer besonderen Stimme, mal laut, mal so sanft. Das ist doch bitte nicht schon 25 Jahre her, dass diese Band loslegte? Doch, ist es. Zum Jubiläum erscheint nun ein Live-Doppelalbum mit so ziemlich allen Hits, und das sind tatsächlich viele, vom grandiosen „Weak“ bis zum größten Charterfolg „Hedonism (Just Because You Feel Good)“. Sehr gut produziert, sehr stimmungsvoll.

Skunk Anansie: 25 live. Boogooyamma/Rough Trade.


Verehrt: Sehr schöne Idee der US-Veteranen Mercury Rev, das zweite Album der legendären Sängerin Bobbie Gentry neu einzuspielen, gut 50 Jahre nach dem Original. Gentry hatte in den 60ern einen Sensationserfolg mit ihrer „Ode To Billie Joe“ gelandet. Sie schoss mit dem gleichnamigen Album auf Platz 1 der Billboard-Charts – doch die Nachfolgerplatte ging ein wenig unter. Zu Unrecht, fanden die New Yorker von Mercury Rev und baten verschiedene Sängerinnen, Gentrys Perlen ihre Stimme zu leihen. Mit dabei auf dem am 7. Februar herauskommenden Album sind etwa Norah Jones, Hope Sandoval von Mazzy Star, Laetitia Sadier von Stereolab, die Norwegerin Susanne Sundfør singt ihre Version von Gentrys Version von „Tobacco Road“ (im Original von John Loudermilk), und Lucinda Williams singt die „Ode To Billie Joe“, die gar nicht auf dem Album war, aber irgendwie dazugehört. Tolle Interpretationen, unterschiedliche Stile. Wer fehlt? Bobbie Gentry natürlich. Sie zog sich schon in den 70ern zurück und soll nicht weit entfernt von der Brücke leben, die sie berühmt machte: der Tallahatchie Bridge aus ihrem wichtigsten Song.

Mercury Rev: Bobbie Gentry’s The Delta Sweete Revisited. Pias/Bella Union (erscheint am 7. 2.)

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