Tony Lakatos Quintett

Nicht hip, aber brillant

  • vonStefan Michalzik
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Sehr rund, auf hochkarätiger Basis: Das famose Tony Lakatos Quintett in der Frankfurter Naxoshalle.

Immens viel Raum, ideal luftige Bedingungen mit einer Menge offener Fenster beidseits: Mit 130 (von sonst 200) Plätzen zählt die Reihe der Hallenkonzerte in der Frankfurter Naxoshalle zu den derzeit in Relation begünstigten. Vor gut zwei Jahren begründet, wird sie sich vom kommenden Jahr an eines Anschubs vom städtischen Kulturamt wie auch vom Kulturfonds RheinMain erfreuen können.

Der Fokus liegt zwar in der Hauptsache auf der „klassischen“ und zeitgenössischen Musik, um nicht zuletzt auch ein jüngeres Publikum als im Konzertsaal zu erreichen, nun aber ist auf Initiative des Fördervereins der HR-Bigband ein Zusatzkonzert mit dem Quintett von deren Star Tony Lakatos angesetzt worden, der als Tenorsaxofonist einen weltweit hallenden Ruf besonders in Musikerkreisen genießt.

Mit einem jungen Publikum ist es in diesem Fall zwar nichts gewesen, praktisch durchweg sozusagen Generation Risikogruppe. Mal von dieser Seite her gekommen: Von der neuen Hipness im Jazz – Stichworte Kamasi Washington, Kamaal Williams & Co. – könnten Tony Lakatos und sein Quintett weiter kaum entfernt sein.

Was nicht gegen die alte Jazz-Ökonomie des hochverdienten und brillanten Tony Lakatos spricht – wenngleich auch eine Spur „Gepflegtheit“ (ganz anders als im Trio mit jungen Kombattanten im Jazzkeller-Livestream vor drei Monaten) schon durchschimmert. Das famose Quintett – mit Lakatos wie auch dem Amerikaner Gary Campbell als Featuregast am Tenorsaxofon, Michael Flügel am Klavier, dem Bassisten Thomas Heidepriem sowie Jean-Paul Höchstädter am Schlagzeug – bewegt sich auf dem abgesicherten Terrain des im Hardbop basierten Mainstreams; die Solostafette wird durch die Band gereicht.

Doch, es ist altmodisch

Wer das altmodisch findet, was es unbestritten ist, wird sich die Replik gefallen lassen müssen, dass ausgerechnet die Hipster mit ihrer starken Rückbezüglichkeit auf den spirituellen Jazz der sechziger Jahre nicht minder altmodisch sind.

Die Doppelspitze ist weder ein explizites Antipodenpaar noch suchen Tony Lakatos und Gary Campbell ernstlich die Reibung. Lakatos spielt eher mit mehr Druck und einem herrlich vollen Ton; das Spiel von Campbell, Jazzprofessor aus Miami und seit den Sechzigern umtriebig an der Seite unter anderem von John Abercrombie, Randy Brecker, David Liebman und Miroslav Vitous, ist zumeist von eher lyrischer Art. Im Repertoire führt die Band neben Kompositionen des Leaders wie des Gasts Nummern von Dave Brubeck, Duke Ellington und Thelonious Monk. Das ist sehr rund, auf hochkarätiger Basis.

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