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Das Rheingau Musik Festival ist eröffnet: Das HR-Sinfonieorchester spielt in der Basilika von Kloster Eberbach.
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Das Rheingau Musik Festival ist eröffnet: Das HR-Sinfonieorchester spielt in der Basilika von Kloster Eberbach.

Kloster Eberbach

Das Rheingau Musik Festival ist eröffnet: Willkommen und Abschied

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet das Rheingau Musik Festival, Orchesterchef Andrés Orozco-Estrada sagt Ade.

Ein Konzertabend, an dem zu Beginn die Nationalhymne erklingt und am Ende „Ein feste Burg ist unser Gott“, profitiert von einem zivilen Rahmen. Einem pathosfernen Bundespräsidenten, der erklärt, er sei vor allem froh, den Menschen wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen zu können. Einem Dirigenten und einem Orchester, die die Nationalhymne bloß wie ein schönes, gepflegtes, letztlich unverbindliches Stück Musik klingen lassen. Im Programmheft lesen wir dazu: „Aufgrund der aktuellen Lage bitten wir Sie, nicht mitzusingen.“ Da schwant einem, dass offenbar in jeder Situation mit allem zu rechnen ist.

Darüber hinaus gibt es keinen Grund, der aktuellen Lage dankbar zu sein. Frank-Walter Steinmeier sprach in einer kleinen Rede darüber, wie hart die Corona-Pandemie den Musiknachwuchs getroffen habe. Aus Gesprächen wisse er, dass viele Studierende in ihrem künftigen Beruf keine Zukunft mehr sähen. „Ich würde gern jede und jeden einzelnen von ihnen dazu überreden durchzuhalten.“ Das geht freilich nicht, aber ein Bundespräsident hat Möglichkeiten. Sein Benefizkonzert unterstützt den Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb, namentlich die Fortführung des Preises des Bundespräsidenten als zweitem Platz.

Zugleich eröffnete das Konzert in der Basilika von Kloster Eberbach das Rheingau Musik Festival, das ja durch seine schiere Größe und Feingliederung selbst ein Hoffnungsträger für junge Musikerinnen und Musiker ist. Im vergangenen Jahr fiel es aus, nun, so Steinmeier, liege „ein Hauch von Neubeginn, von Aufatmen über diesem Abend“. Dann ein zweites Grußwort, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sprach als Schirmherr des Festival. Dann das Violinkonzert in d-Moll von Jean Sibelius, mit dem es von einem zum anderen Moment in andere Sphären ging.

Gerade der erste, wunderlich formlos und frei glimmende Satz verbindet die Assoziation an finnische Wälder mit dem weniger naheliegenden Eindruck, beim wiederholten dringlichen Geigenmotiv könnte gleich der Stadtmensch Humphrey Bogart hinter einem Baum hervortreten. Es entstand auch an diesem Abend unbedingt der Eindruck, dass Sibelius nach 1900 weit schneller im 20. Jahrhundert angekommen war als sein zeitgenössisches Publikum, das vorerst ratlos blieb. Heute ist das Violinkonzert gerade im leidenschaftlich Schummrigen ein eingängiges, anknüpfungsfähiges Werk.

Schwebender Ernst

Der deutsch-amerikanische Violinist Augustin Hadelich spielte es mit einem unprätentiösen Ernst, der Sibelius gut ansteht und vom HR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada unterstützt und weitergetragen wurde. Der zweite, schwebende, dann wogende Satz vermittelte sich mit ebenso beiläufiger Intensität wie die erheblichen Gefühle im dritten. Sibelius nicht größer zu machen, als er ist, entfaltet seine Kunst. Die Raumwirkung in der weiß Gott nicht für Orchesterwerke gebauten Basilika war in der nicht so gigantomanischen Besetzung perfekt, kein verzerrtes Wummern an den geschmackvoll zelebrierten und offenbar ausgezeichnet austarierten Satzschlüssen. Sehr wirkungsvoll hier auch Hadelichs Zugabe, ein Stück des afroamerikanischen Komponisten Coleridge-Taylor Perkinson.

Felix Mendelssohn Bartholdys Fünfte, die „Reformations-Sinfonie“, legte Orozco-Estrada – passend zum gesamten Abend – ebenfalls mit einer hinreißend präzisen, weltlich sakralen Ernsthaftigkeit an. Dazwischen zeigt die Musikgeschichte auf den Schurken Richard Wagner, der hier ein zentrales „Parsifal“-Motiv klaute. Ja, Wagnerianer und Wagnerianerinnen suchen dafür nach anderen Worten. Aber sie fehlen einem, die Worte.

Der große Beginn im Rheingau war nun wirklich der Abschied von Orozco-Estrada, der nach Wien geht. Und bereits vermisst wird.

Andrés Orozco-Estrada beim Auftakt- und Abschiedskonzert.

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