Batschkapp

Und dann wieder Blumen

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Godspeed You! Black Emperor wollen in der Batschkapp ganz groß sein, stellen das Interessante aber zusammenhanglos nebeneinander.

Draußen vor der Tür der Frankfurter Batschkapp geht es um die Geschichte, dass Godspeed You! Black Emperor ihre Platten nicht nach Israel verschiffen. Jonas Engelmann machte in der „Jungle World“ dankenswerterweise darauf aufmerksam. Überall sonst hin, nur nicht Israel? Die Plattenfirma Constellation unterstützt den BDS, also den Boykott israelischer Kulturgüter. Da sind abgehängte Gestalten wie Roger Waters dabei, aber leider auch Thurston Moore und Kate Tempest.

Die künstlerisch hochbegabte Lorde sagte vor einigen Monaten ein Konzert in Tel Aviv ab – auf Druck von Waters und der BDS. Lordes Statement klang so, als wolle sie bloß keinen Fehler machen, und gerade dadurch stolperte sie in eine solche Gesellschaft von Verwirrten bis Antisemiten. Und dann natürlich, ganz frisch, die Debatte um die Auschwitz-Line von Farid Bang und den Antisemitismus im Deutschrap. Außenminister wurden zu Rapexperten und Texte erschienen, die allen Ernstes so taten, als sei der Antisemitismus erst auf den Schulhöfen und in der deutschen Lebensart aufgetaucht, als Aggro Berlin den Gangsta Rap groß gemacht hatte.

Godspeed You! Black Emperor galten zwar seit ihren Anfängen vor knapp zwanzig Jahren schon als politische Band – aber diese Politik schien immer nur mittelbar auf inhaltlicher Ebene auf – denn die Band ist instrumental, es gibt keine Texthefte. Die Slogans und Positionierungen stammen also aus den Songtiteln und Artworks, aus einigen Sprachsamples auf den Platten und aus den seltenen Interviews.

Das Beachtliche an der Musik der neun Menschen auf der Bühne ist der Wille zum Aushalten – endlos weit werden die Bögen gespannt, nach dreißig Minuten Vorband ballern sie einem noch mal fünfzehn Minuten Geklingel vom Band um die Ohren – das Aushalten und Aufbauen kann toll sein, wenn die Anspannung steigt und man genauer schaut und hört. Aber es kann auch ganz schön unfertig und bleischwer wirken: Zwanzig verschiedene Ideen in Bass, Schlagzeug, Gitarre, Violine, Cello angedacht, keine auch nur ein Mal wirklich entfaltet. Nun ließe sich der Postrock genau dafür auch in Schutz nehmen: In seinen großen Momenten verweigert er sich der Eindeutigkeit, er lässt dann Platz für Assoziationen und eigene Denkpfade.

Hier an diesem Abend in der Batschkapp will es ganz groß sein, immer nur von allem erzählen. Während die Band sich in den Liner Notes des Albums eine Welt ohne Grenzen vorstellt. Ganz große Fragen, ganz simple Antworten. Im Hintergrund laufen dazu die Bilder: Blumen, Häuser wie aus der eigenen Kindheit, Straßengewirr, Polizeigewalt. Schwarz und weiß. Wieder Blumen. Ein verwackeltes Foto.

Ok, I get it. Lauter interessante Dinge sind da zusammenhanglos nebeneinandergestellt. Es will ganz dringend tief sein. Ein Freund sagt: „Das ist anders als Mogwai, da geht es auch fünf Minuten so, aber dann geht es richtig ab.“ Ja. So klingt die Musik zu Terrence Malicks Filmen. Oder mit Andre Agassi: Image is everything.

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