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Dann ist es vorbei mit der Magie

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Auftakt zum Festival Summer in the City in Frankfurt: Der aus Dublin stammende Musiker James Vincent McMorrow inszeniert sich im Palmengarten allzu pompös.

Von Stefan Michalzik

Ein Sänger durchweg in der Falsettlage, allein auf der Bühne, erst mit der akustischen, dann mit der elektrischen Gitarre, später spielt er Keyboard: Das ist das Bild zu Beginn dieses Konzerts. James Vincent McMorrow singt und schreibt melancholische Folkballaden, auf seinen bislang zwei vorliegenden Alben „Early in the Morning“ (2011) und „Post Tropical“ (2014) sind sie mit Band und Elektronik im Sinne eines Popentwurfs inszeniert, der Vergleiche zu Lana Del Rey und James Blake herausfordert.

Nur ein Schatten davon ist an diesem Abend zur Eröffnung des Festivals Summer in the City zu sehen, das der Mousonturm im Frankfurter Palmengarten ausrichtet. Ungefähr zwanzig Minuten lang musiziert der 1983 in Dublin geborene McMorrow allein – es ist der intensivste, der ungebrochen „schöne“ Teil seines Auftritts, auch wenn ein an den lauteren Stellen dieser leisen Musik plärrend übersteuertes Keyboard den Genuss momentweise trübt.

Dann kommen die drei übrigen Musiker auf die Bühne – vorbei ist es mit der Magie. Balladen um Weltschmerz und das Verlangen nach Liebe und Geborgenheit weiterhin, McMorrow neigt zur pompösen dramatischen Inszenierung, das Tempo ist meist schleppend, zuweilen sind elektronische Beats im Spiel. Neben den eigenen Stücken findet sich die Coverversion von Steve Winwoods „Higher Love“, mit der McMorrow vor vier Jahren erstmals international auf sich aufmerksam zu machen vermochte, mit der Folge eines anhaltenden Hypes.

Prätentiöses Solo

Das Klangbild stellt sich bisweilen unvermutet mächtig dar; oft mangelt es an klaren Konturen. Manche Momente muten an wie Art- und Progrock. Der Einsatz der Mittel wirkt erstaunlich beliebig und die Musik deshalb gleichförmig, von drei oder vier manierlichen Ausnahmen abgesehen, darunter ein Song mit Anklängen an den West-Coast-Pop von Crosby, Stills, Nash & Young. Die smart-anekdotischen Conférencen machen nichts besser; die prätentiöse Soloeinlage ohne Mikrofon in der Zugabe auch nicht: Insgesamt ist der Eindruck ein lauer.

Schwer zu sagen, was womöglich in David Lemaitre stecken mag. In den gerade mal vier Songs, die er vorneweg spielen durfte, hat der in Berlin lebende Bolivianer eine Zugehörigkeit zum Weird Freak Folk dokumentiert. Der sparsam arrangierten, auf die Faszinationskraft sonderbarer Klänge ausgerichteten Musik seines Trios ist auch ohne den Wert sonderlicher Eigenheit ein gewisser Reiz eigen; es ist aber noch nicht zu erkennen, in welche Richtung das bei womöglich zunehmender Reife gehen mag.

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