Immer wieder stößt King Khan langgedehnte ekstatische Schreie aus, die den phänomenalen Zeremonienmeister als struppig-räudige Mischung aus Screamin? Jay Hawkins und James Brown ausweisen.
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Immer wieder stößt King Khan langgedehnte ekstatische Schreie aus, die den phänomenalen Zeremonienmeister als struppig-räudige Mischung aus Screamin? Jay Hawkins und James Brown ausweisen.

King Khan

Und dann gemeinsam in die Hocke

  • vonStefan Michalzik
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King Khan ist mit ekstatischen Schreien im Frankfurter Zoom ein prima Zeremonienmeister.

Was für ein Furor! King Khan and his Shrines machen mit ihrem deftigen Soulpunk mächtig was her. Die Show der derzeit neun Köpfe zählenden Band ist in einer überbordenden Weise unterhaltsam, zu subtil jedoch sind die Mittel, um die Band mit den erlesen billig-karnevalesken schwarz-goldenen Capes, die jetzt im Frankfurter Zoom gastierte, als Spaßkapelle abzutun.

Die Biografie von Arish Vajavishnu Khan, dem Kopf, liest sich illuster. 1977 geboren als Sohn indischer Einwanderer im kanadischen Montreal. Kontakte mit dem Beatpoeten Allen Ginsberg (dessen Stimme in einem Song verwendet wird). Zwei Jahre lang bei den Mohawk-Indianern. Gründung einer Geheimloge. Musikalisch verwurzelt in der kanadischen Garagenrockszene, mit der Band Spacehits. Dann etliche Jahre in Kassel, dort 1999 die Gründung der Shrines, im Jahr darauf deren erstes Album, unter der Regie des White-Stripes-Produzenten Liam Watson. Nächste Station: Frankfurt-Rödelheim, unter der Produzentenobhut des (inzwischen verblichenen) legendären Hazelwoodlabels.

Gut angerichtete Turbulenzen

Immer wieder stößt King Khan langgedehnte ekstatische Schreie aus, die den phänomenalen Zeremonienmeister als struppig-räudige Mischung aus Screamin’ Jay Hawkins und James Brown ausweisen. Vormals von schmächtiger Statur, trägt er heute eine imposante Wampe mit Tätowierung auf der Brust unter seinem Plüschkragen zur Schau. Strotzend vor Ausgelassenheit sorgen die Bläser für gut angerichtete Turbulenzen, der Organist schwingt mitunter sein antikes Keyboard über seinem Kopf.

In den bei alledem durchaus ernstzunehmenden Songs geht es einesteils klassisch um Liebesdinge samt Sehnsuchtsballaden. Daneben bekennt sich King Khan zum Feminismus, er widmet einen Song den Transsexuellen, er verbeugt sich vor der Black-Panther-Bewegung und reckt die revolutionäre Faust. Er bekennt sich zum Voodookult, den Totemstab allerdings führt er inzwischen nicht mehr. So offenkundig gewisse pophistorische Muster – Garagenrock, Memphissoul und Psychedelik – zutage treten mögen, über schnödes Retrogemucke ist die Musik jederzeit erhaben.

In der Zugabe schließlich legt der Meister der exzessiven Show den Oberkörper fast vollständig frei, und er treibt sein Frankfurter Publikum in die Hocke zu einer gemeinsamen Beschwörung der ekstatischen Schreie beim Sexualverkehr. Ein schier unglaublicher Abend; kaum jemand wohl, der hinterher nicht mit einem Lächeln im Gesicht in die Nacht hinaus gegangen wäre.

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