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Daniil Trifonov im Kurhaus Wiesbaden: Arbeitsteilung

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Von: Bernhard Uske

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Daniil Trifonov in Wiesbaden, Ruth Reinhardt dirigiert die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Foto: Ansgar Klostermann/RMF
Daniil Trifonov in Wiesbaden, Ruth Reinhardt dirigiert die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Foto: Ansgar Klostermann/RMF © Ansgar@Klostermann.net

Daniil Trifonov und Dirigentin Ruth Reinhardt mit der Deutschen Kammerphilharmonie in Wiesbaden.

Alte Bekannte und ein neues Gesicht bot das Gastspiel der Deutschen Kammerphilharmonie beim Rheingau Musik Festival. Daniil Trifonov und das Ensemble aus Bremen spielten unter der Leitung der 34-jährigen Dirigentin Ruth Reinhardt, die aus Saarbrücken stammt.

Klaviersolist Trifonov, mittlerweile 31 Jahre alt, trat in der ihm eigenen, freundlich verschlossenen, unperformativen Art auf – die bis dato hier unbekannte Dirigentin mit ausladender Geste. Beide Haltungen konnten sich durchaus Gewinn bringend im ersten Klavierkonzert von Johannes Brahms verbinden. Das Werk ist in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts konzipiert worden und erst nach einigen Umwegen in seiner endgültigen Form 1859 uraufgeführt worden: ursprünglich war es als Sinfonie gedacht.

Eine Art sinfonisch-konzertante Arbeitsteilung zwischen dem verschlossenen Trifonov und der eloquenten Reinhardt, funktionierte reibungslos, zumal die Dirigentin das Tutti nicht zu auftrumpfend spielen ließ, was, zumindest im ersten Satz, vom Habitus der Orchesterbegleitung her möglich gewesen wäre.

Die Partitur des Adagios des zweiten Satzes hat gleich zu Beginn einen Eintrag aus dem „Sanctus“: „Benedictus qui venit in nomine Domini“ – hoch gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn; wobei Dominus auch der Nickname Schumanns war und Schumann einst Brahms als den, „der da kommen musste“ titulierte. Im Tutti der Kammerphilharmonie blieb Freundschaftsreligion und Spannkraft verhalten und spröde; derweil das tropfenförmige Spiel Trifonovs auf die späten Intermezzi zu verweisen schien. Treffend herausgearbeitet war die Fuge in dem fast collagiert wirkenden, addierenden Endstück des Rausschmeißer-Finalsatzes.

Nach der Pause setzten sich klangliche Beziehungsformen der beiden Komponistenfreunde durchaus fort: Schumanns dritte Sinfonie, die „Rheinische“, war als sinfonisches Pendant zum Brahms-Konzert möglich. Der Bilderbogen, der hier in fünf Sätzen ausgelegt wird, bildete mit der starken Bachischen- und vorbachischen Klangwelt des 4. Satzes sogar eine Brücke zum andächtigen Duktus des Freundschaftsadagios bei Brahms.

Schumann, polternd

Die beiden ersten Schumann-Sätze polterten laut daher oder waren gehetzt. Vielleicht lag es an der unglücklichen, dicht an die Podiums-Apsis des Friedrich-von-Thiersch-Saals gerückten Position der pointiert spielenden Kammerphilharmonie oder an fehlender Klangkontrolle: der Ton des Schumannschen Schwungs war blechern und hatte keine Farbe.

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