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Daniel Hope: Lob der amerikanischen Tugenden

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Von: Bernhard Uske

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Der Geiger Daniel Hope mit dem Zürcher Kammerorchester und auf Jazzpfaden in der Alten Oper.

Ist Daniel Hope, der 48-jährige Star des geigerischen Musikbetriebs ein Wiedergänger von Helmut Zacharias, jenes 1920 geborenen und 2002 verstorbenen deutschen Jazz-Geigers, der, von der Klassik herkommend, seit den 40er Jahren sein Können dem Swing und Bebop widmete? Und das mit bestrickender idiomatischer Raffinesse in Bezug auf die unterschiedlichen Idiome dieses Genres? Hope als klassischer Geiger ist allerdings erst seit einiger Zeit mit jazzhaften Gestaltungsweisen präsent, aber doch sehr markant, wie sein Auftritt bei Pro Arte gemeinsam mit dem Zürcher Kammerorchester und einem exzellenten Jazztrio bewies.

Dabei war das Spektrum des Programms nicht auf Jazz beschränkt, es sollte allerdings die Qualitäten der US-amerikanischen Musik namentlich mit ihren afro-amerikanischen Quellen zeigen. Hopes Conférence, die den gesamten Auftritt im Großen Saal der Alten Oper begleitete, galt dem Lob der amerikanischen Tugenden „Flexibilität und Anpassung“ und einigen ihrer musikalischen Exponenten.

Diverse Klanggebete

Dazu zählten die Schwarzen Florence Price und Duke Ellington mit unterschiedlichen ästhetischen Gebets-Haltungen in „Adoration“ und „Come Sunday“. Bei der 1953 mit 66 Jahren verstorbenen Price ein eher geläufiger, getragener Ton; und ein mit Blues- und Spiritual-Bezug besetzter bei Ellington, der 75-jährig 1974 starb. Von Aaron Copland kam ebenfalls eine Art Klanggebet zu Gehör und gleich zu Beginn als Warming-up ein Satz aus „Rodeo“, wo das Zürcher Kammerorchester klar machte, was es an Tempo, Homogenität und Beweglichkeit zu bieten hat.

Hits aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ zeigten Daniel Hope in blendender Verfassung, aber mit vibratostarker Geradlinigkeit und fehlender Gelassenheit im Vergleich mit dem frühen Helmut Zacharias. Eine Song-Suite des dieseits- und jenseits-atlantischen Kurt Weill ging einher mit der Bereicherung des Klangspektrums des allzu homogenen Kammerstreicherklangs durch Schlagzeug und Gitarre, bevor dann zuletzt bei einer George Gershwin gewidmeten weiteren Song-Suite, arrangiert für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester, die graue Eminenz des Abends, der Bearbeiter Paul Bateman (geb. 1954), sein Profil zeigen konnte.

Er ist ein glänzender Könner seines Fachs. So dass sich das brillante Jazz-Trio aus Johannes von Ballestrem (p), Seon-Deok Baik (kb) und Dimitri Monstein (perc) sowie der Gitarrist Joscho Stephan mit Hope und seinem Zürcher Tutti in nahezu jam-session-artigen Klanginteraktionen ergingen.

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