Alte Oper

Daniel Hope: Erster unter Gleichen

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester in der Alten Oper.

Auch wenn es an diesem Abend beim Pro-Arte-Konzert in der Alten Oper Frankfurt an sich um Wolfgang Amadeus Mozart ging, wäre Ludwig van Beethoven – der Star des kommenden Jahres – im Falle eines Wettbewerbs wohl als Sieger aus der Halle gegangen. Das lag nicht nur an der ohnehin auf ewig immer in die Gegenwart und Zukunft der Musik weisenden Qualität des Violinkonzerts an sich, sondern auch an der Darbietung.

Der Geiger Daniel Hope, der Anfang 2018 mit dem Zürcher Kammerorchester die Aufnahme „Journey to Mozart“ vorgelegt hat, ist ein eigenwilliger, unroutiniert wie aus dem Augenblick agierender Musiker. Das Ensemble, leichtgewichtig und natürlich immens agil im Verhältnis zu einem großen Orchester, ist ihm ein überzeugter und überzeugender Begleiter auf einem solchen Weg.

Die Paukenschläge zu Beginn des Violinkonzerts so melodisch weich, flink und strotzend vor Energie, auch im Folgenden alles beharrlich und ungemein transparent im Fluss. Man verstand wieder einmal, warum die Mitwirkenden, so möglich, im Stehen spielten: für eine bewegte und bewegende Musiziersituation.

Der Solist dabei der Erste unter Gleichen, gerne ein bisschen ungeschmeidig, ungebärdig, wenn auch nicht direkt schroff, so doch unbürgerlich. Hopes Virtuosentum steht in einem deutlichen Gegensatz zum Violinkonzert im Sonntagsstaat, und weil das auch schön ist, kann man sich anschließend zu Hause ja noch Anne Sophie Mutter anhören. Sympathisch und ganz lustig, wie Hope zwischenzeitlich ein bisschen dirigierte, aber eher so, wie unsereiner das vorm Plattenspieler daheim auch machen würde. Die Zürcher brauchen das nicht, man sah, wie ihr Konzertmeister im Zweifelsfall die Regie übernahm. Ansonsten war das Konzert wieder ein erfrischendes Beispiel für die völlige Eigenständigkeit halbwegs überschaubarer Klangkörper.

Vor der Pause zwei Mozart-Stücke in federndem Schwung, der Ältere als unmittelbarster Vorläufer des Jüngeren. Zuerst das Divertimento in F-Dur, anschließend die Sinfonie Nr. 29, Hope dabei in der Rolle des glänzend aufgelegten Konzertmeisters. Dass die Zukunft sich immer auch jetzt schon blicken lässt, zeigte sich ferner an den Tabletcomputern, die zum Teil die Notenmappen ersetzten.

Als eine der Zugaben ein bezauberndes Menuetto aus Beethovens 1. Sinfonie. Als Wermutstropfen zunehmend Applaus zwischen den Sätzen.

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