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Ein echter Sammelr will sie alle haben. Foto Martin BUREAU / AFP)
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Ein echter Sammelr will sie alle haben. Foto Martin BUREAU / AFP)

Musikbuch

Daniel Decker: Not Available. Über Platten, die nicht erschienen sind

Der Musiker und Autor erläutert in seinem neuen Buch, warum nicht nur die Bee Gees oder Sonny & Cher bei den Plattenfirmen durchfielen.

Von allen Musiken der ganzen Welt / Hätt’ ich so gern die schwarzen Scheiben“, sang Marius Müller-Westernhagen anno 1982 („Dass da was war“) und brachte die Sehnsucht aller Vinyl-Junkies auf den Punkt. Die Vorstellung, jeden jemals aufgenommenen Song in einer stets verfügbaren Sammlung zu besitzen, kommt für viele dem Paradies sehr nahe.

Aber natürlich kann man nur sammeln, was es auch gibt, womit wir bei „Not Available“ wären. Der Berliner Musiker und Autor Daniel Decker hat in bewundernswerter Recherchearbeit – auch eine Form des Sammelns – Storys und Anekdoten rund um Alben zusammengetragen, deren Erscheinen zwar angekündigt wurde, deren Materialisierung (auf physischen Tonträgern oder wenigstens als Download) jedoch nie stattfand.

Die Bee Gees fielen durch

Das Buch

Not Available. Platten, die nicht erschienen sind.
Ventil Verlag, Mainz.
248 Seiten, 17 Euro.

Was durchaus häufig passiert: Die für Künstler und Künstlerinnen wohl unbeliebteste Begründung seitens ihrer Plattenfirmen ist die der vermuteten Unverkäuflichkeit, was sich Sonny & Cher ebenso gefallen lassen mussten (nicht erschienenes Album: „This Good Earth“) wie Adam Ant, Frank Zappa oder die Bee Gees. Von Prince wurden so viele Alben nicht veröffentlicht – weil er sie selbst zurückzog, sich mit seinem Label zerstritt, etc. pp. –, dass Decker dem Genie aus Minneapolis ein eigenes Kapitel widmet. Ebenso wie The Who, deren Diskographie meist wegen kreativer Richtungswechsel nicht erschienener Platten mehrere Seiten füllt.

Neben Rechts- und Bandstreitigkeiten, Scheitern an eigenen Ansprüchen, unerfüllten Erwartungen oder Verträgen und zahllosen anderen Hinderungsgründen lässt sich Nichtverfügbarkeit aber auch zum künstlerischen Konzept erklären. Der Düsseldorfer Maler, Musiker und Netzaktivist padeluun zum Beispiel brachte 1981 auf dem Label Rondo „Keine Platte“ heraus, ergänzt durch den Nachfolger „Keine Kassette“. Die Zeitschrift „Sounds“ schrieb damals, dass „über viereinhalb Milliarden Menschen“ „Keine Platte“ von padeluun ihr Eigen nennen könnten – diese enorme Zahl ist inzwischen auf knapp acht Milliarden angewachsen.

Mit ähnlich gelagertem Kunsthumor war in den frühen Achtzigerjahren auch die Berliner Avantgarde-/Postpunk-Band Die Tödliche Doris zugange: „Die unsichtbare 5. LP“ entsteht nur dann, wenn zwei andere Platten der Band gleichzeitig abgespielt werden. Für den NME ein „Geniestreich“, eine Zumutung für Sammler, die es ernst meinen. Genau das ist der Knackpunkt: So ernsthaft und akribisch Daniel Decker die für Musikfreaks schmerzlichen Lücken der Popgeschichte ausleuchtet, so absurd und komisch sind manche Geschichten: Dass die Schwermetaller Judas Priest 1988 ausgerechnet mit dem Teeniepop-Produzententeam Stock Aitk en Waterman an einem Album arbeiteten (das „You Are Everything“ heißen sollte), klingt fast so unglaublich wie die Existenz eines Country-Albums der Beastie Boys, das unter dem Titel „Country Mike’s Greatest Hits“ tatsächlich erschienen ist.

Nach der Lektüre dieses kurzweiligen und (er-)kenntnisreichen Buchs ist man doch ganz froh, dass es nicht von allen Musiken auch schwarze Scheiben gibt.

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