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Daniel Behle mit German Hornsound: Hörnerselige Romantik und klassisches Volkslied

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Von: Bernhard Uske

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Daniel Behle mit German Hornsound in der Alten Oper. Von Bernhard Uske

Man hielt es nach Rudolf Schock, Renate Holm oder Anneliese Rothenberger fast schon für ausgestorben – das Volkslied- und Volkskunstliedkonzert, wie es im Mozart Saal der Alten Oper Daniel Behle gab. Ein mit seinen 48 Jahren noch im Vollbesitz vokaler Kräfte befindlicher, renommierter Tenor. Er trat gemeinsam mit German Hornsound, einem Quartett von Hornisten auf, die in deutschen Sinfonieorchestern beheimatet sind.

Im Titel des Konzerts „Heimat – German Hornsound & Daniel Behle“ hätte auch der Name Mario Adorfs genannt werden können, hat der Filmschauspieler doch neun kurze Texte und Gedichte eingesprochen, die als Exkurse im musikalischen Ablauf fungierten. Und auch der Arrangeur und Programmgestalter Alexander Krampe wäre der Nennung wert gewesen, war ihm doch der intelligente und beziehungsreiche Abend zu verdanken.

Ein 500 Jahre umfassender, über 36 Stationen gehender Verlauf, der mit Heinrich Isaacs „Innsbruck ich muss dich lassen“ begann und in der hörnerseligen deutschen Romantik sowie vielen Beiträgen aus dem frühen und späteren 20. Jahrhundert seinen Schwerpunkt hatte; mit klassischem Volkslied gemischt. Sätze von Schubert oder Brahms mit dem Höhepunkt der Gralserzählung des Lohengrin waren in der Hornquartettbegleitung recht eigen klingende Bekannte. Während die Beiträge aus dem 20. Jahrhundert, oft um Vertreibung, Flucht und Ausrottung kreisend, an sich schon Unbekannte waren.

Ein Zentrum für sich bildeten höchst reizvolle, gewitzte und geringfügig sperrige Alltagsbeobachtungen zum Thema durch Ernst Krenek: echte Trouvaillen. Das fabelhafte Hornquartett machte das Kesse des Krenek-Tons vollgriffig und gab auch Liedern von Hanns Eisler Gewicht und Schärfe. Das Buchenwald-Lied wurde a capella gesungen. Komponisten der Kabarett- und Ufa-Tonfilmwelt standen neben dem in Theresienstadt entstandenen „Ein jüdisches Kind“ von Carlo Sigmund Taube und Erika Taube, Werner Eisbrenners „Lied der Flüchtlinge“ neben dem Heimat-Aufbaupathos in der DDR (Naumilkat/Keller).

Behle glänzte mit unsentimentaler, beweglicher Artikulation, die in Höhe und Lautstärke manchmal die Grenze des Schneidenden berührte. Ein spannungsreicher Kontrast zur weicheren und runderen Hornwelt. Mit „Es führt über den Main / Eine Brücke von Stein“ vertont von der Hindemith-Schülerin Felicitas Kuckuck, verbeugte man sich vor dem genius loci und mit Udo Jürgens „Griechischer Wein“ vor einer der Traumhheimaten der Deutschen.

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