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Daniel Barenboim in Wiesbaden: Bemerkenswerte Visitenkarte

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Von: Bernhard Uske

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Daniel Barenboim in Wiesbaden.
Daniel Barenboim in Wiesbaden. © Ansgar Klostermann/RMF

Daniel Barenboim mit dem West-Eastern Divan Orchestra ist beim Rheingau Musik Festival in Wiesbaden zu erleben.

Er sei ein Phänomen, hatte Wilhelm Furtwängler verlautbart, als er den 12-Jährigen am Klavier hörte – den 1942 in Buenos Aires geborenen Daniel Barenboim. Pianist, Dirigent, Konzeptualist, Programmatiker. Und heute als Chef der Staatskapelle Berlin, als international agierender Pultstar und als Gründer des West-Eastern Divan Orchestra bekannter als mit seiner Herkunftsdisziplin.

In der trat der bald Achtzigjährige beim Rheingau Musik Festival in Wiesbaden auf. Gemeinsam mit seiner orchestralen Schöpfung, der er und der palästinensische Literaturwissenschaftler Edward W. Said 1999 Gestalt verlieh.

Damit nimmt Barenboim in der Riege musikpolitisch oder -philanthropisch orientierter Künstler und Künstlerinnen, zu denen sich heute fast jedes Orchester und jeder Solist zählt, eine Spitzenstellung ein. Das Orchester des West-östlichen Diwans ist seit 2016 UN-Botschafter für kulturelle Verständigung.

Jetzt trug es Werke von Sergei Prokofjew und Johannes Brahms vor. Geleitet von Lahav Shani (1989 geboren in Tel Aviv), ebenfalls einem Doppel-, ja Dreifachtalent, ist der Chefdirigent der Rotterdamer Philharmoniker und Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra doch auch Pianist – und Kontrabassist obendrein. Sein Prokofjew („Symphonie classique“) hatte eine derbe, ja deftige Note.

Paukenlastige Vehemenz

Statt Petersburger Eleganz und augenzwinkernder Idiomatik war diese 1918 uraufgeführte 1. Prokofjew-Sinfonie von wuchtiger, paukenlastiger Vehemenz. Mit scharfen Holz- und Blechbläser-Interjektionen kamen so spezifisch russische, tanzförmige Repetitionen im musikalischen Gewebe gut zu Gehör. Jedenfalls gab das palästinensisch-israelische Ensemble, dem auch Mitglieder aus Spanien, der Türkei und dem Iran angehören, eine bemerkenswert gestaltetete Visitenkarte ab.

Wenig markant danach das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms, wo Daniel Barenboim am Klavier saß. Waren bei Prokofjew durch die Wuchtigkeit der Darstellung die Instrumentalfarben blass, so herrschte hier ein Grau vor, das oft schüttere und aufsagende Rhetorik in der Solo-Partie begleitete. Das sporadisch mächtige Intervenieren des Tutti machte das Ganze noch brüchiger. Zur spannungslosen Diktion kam eine gewisse klavieristische Fehlerquote nicht nur in schnellen Partien.

Zur Überreichung des Rheingau-Musikpreises an Barenboim, die ursprünglich schon vergangenes Jahr hätte stattfinden sollen, parierte der Geehrte das Reden vom Orchester als Friedensstifter mit dem lakonischen Hinweis, Frieden müsse die Politik bewirken: Gerechtigkeit für die Palästinenser – Sicherheit für Israel.

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