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Daniel Barenboim gibt seine Echos zurück

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Von: Petra Kohse

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Daniel Barenboim ist empört über die Verleihung des Echo an Kollegah und Farid Bang.
Daniel Barenboim ist empört über die Verleihung des Echo an Kollegah und Farid Bang. © dpe

Der Dirigent Daniel Barenboim will nach dem Antisemitismus-Skandal wie andere Künstler vor ihm seine Echo-Trophäen zurückgeben.

Jetzt auch Daniel Barenboim. Aus Protest gegen die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang will er seine Echo-Trophäen zurückgeben. Acht Stück hat er davon, für Einspielungen mit der Staatskapelle Berlin, dem West-Eastern Divan Orchester und auch einen persönlichen, von 2012, für sein Lebenswerk.

Mit der Rückgabe folgt Barenboim anderen Dirigenten wie Christian Thielemann. Aus der Popwelt hat etwa Marius Müller-Westernhagen diesen Weg eingeschlagen, der – Nomen est Omen – bei dieser Trophäe ja nur folgerichtig ist. Westernhagen besaß laut Wikipedia ebenfalls acht Echos, im Eintrag wurde hinter seinem Namen bereits Vollzug gemeldet: „(2018 alle zurückgegeben)“. Steht das schon nachher auch hinter dem Namen Daniel Barenboim? Oder erst wenn die Post an den Bundesverband Musikindustrie ausgeliefert wurde?

Wie so eine Rückgabe wohl konkret funktioniert? Packt ein Assistent die zweieinhalb Kilo schweren und 45 Zentimeter hohen Objekte (die aussehen wie eine Art Bernd das Brot als Halbschallplatte) in ein Paket und dann ab damit, return to sender in die Reinhardstraße 29 in 10117 Berlin? 20 Kilo hier immerhin. Mit einigem Geschick könnte eine 120 x 60 x 60 cm-Kiste reichen, das würde 16,49 Euro kosten bei DHL.

Und was passiert dann beim BVMI mit den zurückgegebenen Echos? Rund 100 Stück werden jährlich verteilt, und das seit Mitte der 90er Jahre, mit 15 Stück beginnend und dann ansteigend. Ich würde mit 2000 Echo-Statuen rechnen, die gerade noch so in den Regalen verstauben und demnächst in Umlauf geraten könnten. 17 würden alleine aus dem Helene-Fischer-Universum ins All geschossen werden, wenn sie sich entschlösse, ihrer Empörung Taten folgen zu lassen.

Das hätte zweifellos eine Sogwirkung. Man müsste sich den BVMI fortan als Schwarzes Loch vorstellen, das die Trophäen ansaugt – und sie, wer weiß, im nächsten Jahr neu graviert wieder ausstößt? Oder auch nicht. Manche Systeme implodieren ja oder verglühen auf ihrer Bahn.

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