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Bonnie Tyler ist wieder da, und was soll man sagen: Sie klingt wie Bonnie Tyler.

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Damenquartett: Neue Alben von Annett Louisan, Dido, Stefanie Heinzmann und Bonnie Tyler

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Kleine Liebe, Kehlkopfüberschlag, große Röhre, Reibeisenstimme: Es gibt vier neue Alben zu entdecken. 

Vier Damen sind in den vergangenen Wochen bei uns aufgelaufen, die nicht ihre ersten und hoffentlich auch nicht ihre letzten Alben veröffentlicht haben. Falls Sie Lust auf ein Wiederhören verspüren: Hier ein paar warme Worte dazu, von lieblich bis rau.

Lieblich
Annett Louisan war die junge Dame, die 2004 sang: „Ich will doch nur spielen/Ich tu doch nichts“, flötend wie ein Vögelchen. Aber wer genau hinhörte, der verstand: Obacht, wenn sie will, pickt sie auch zu. So behielt sie das bei über sechs sehr erfolgreiche Studioalben und eins mit ihren liebsten Coversongs. Das neue eigene Werk kommt als Doppelalbum daher, nach fünf Jahren Zwischenraum und einem Baby. Es ist wieder ein ganz kleines bisschen bissig, vor allem auf der „Kleine Liebe“-CD ( etwa in „Ich tu nur weh, wenn ich liebe“), und es ist sehr gefühlig auf der „Große Liebe“-CD (beispielsweise in „Meine Kleine“), denn es geht viel um Muttersein, Kindsein, Behütetsein. Dieses Album komme ihr näher als jedes davor, sagt die Sängerin. Wenn man ihr das glaubt, dann ist Annett Louisan doch poppiger als gedacht. Und näher dran am Schlager. Im Oktober/November ist sie auf Tour, am 3. November tritt sie in Frankfurt auf.

Seidig
Dido singt so ein schönes Englisch, es zieht dich rein in den ersten Song, das ist ganz enorm angenehm – bis der Rhythmus einsetzt und diese Art Schluckaufstimme in den Hintergrund gemischt wird, die seit ein paar Jahren in Mode ist. In der Art geht es weiter: eine wundervolle, vertraute, seidigwarme Stimme, gelegentlich mit dem charakteristischen Kehlkopfüberschlag, früher oder später begleitet von Synthisounds und Elektro-Piffpaff-Schlagzeug. Wer die Kombination mag, dem dürfte Didos Neue gut gefallen, und für die anderen Musikfreunde gibt es gelegentlich ein Lied mit unaufdringlicher Begleitung. Am 13. Mai singt die Britin in der Frankfurter Alten Oper.

Röhrig
Stefanie Heinzmann ist einfach großartig, ihre Stimme immer mitreißend, und dann kommt auch noch tanzbare, treibende Musik dazu. Es ist nicht nötig, der größte Fan der Art Pop zu sein, die die Schweizerin seit gut zehn Jahren macht, nachdem sie eine Casting-Show als brilliger Backfisch gerockt hatte. Es genügt, sich dieses Organ anzuhören. Auf dem neuen Album kommen ein paar neumodische Chöre à la Lena dazu. Macht nichts. Die Heinzmann leuchtet, es ist alles okay. Am 17. November kommt sie in die Frankfurter Batschkapp.

Raureif
Bonnie Tyler heißt eigentlich Gaynor Hopkins. Muss man dann noch einen Künstlerinnennamen annehmen? Andere Leute würden sich in Gaynor Hopkins umbenennen, wenn sie Karriere machen wollten und, sagen wir, Stefanie Heinzmann hießen. Aber egal, Bonnie Tyler ist wieder da, sechs Jahre nach dem bis dato jüngsten Werk, 42 Jahre nach „Lost In France“, und was soll man sagen: Auch auf dem 17. Studioalbum klingt sie halt wie Bonnie Tyler. Rock’n’Roll, Boogie Woogie, Reibeisenstimme. Diesmal drei Duette: mit Rod Stewart, Ehrensache, mit Francis Rossi von Status Quo, sehr schön, und mit Cliff Richard. Was macht eigentlich Cliff Richard? Singt, aber nur noch Großbritannien hört zu. Bonnie Tyler kommt am 1. Juni zum W-Festival in die Frankfurter Alte Oper.

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