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Damals ist nicht heute

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Morten Harket von A-ha.
Morten Harket von A-ha. © REUTERS

Aber A-ha zeigt in Frankfurts Festhalle, dass es gut nach vorne geht. Trotzdem dürfte nach der aktuellen Tour wieder Schluss sein, vorerst.

Von Volker Schmidt

Das ist A-ha? Wo war denn diese dreckige Gitarre, als die Mädels in den 80ern kreischend vor den sanften Jungs aus Norwegen herumhüpften? Wo war dieser jetzt so böse durch die Festhalle puckernde Bass, als Jungs ohne Lederbändchen ums Handgelenk bei den Klassenkameradinnen chancenlos blieben? War es falsch, das Trio in die musikhistorische Hirnlade „Synthie-Pop, seichter“ zu sperren?

Damals ist nicht heute, und seit der Ahamania von 1985ff. sind immerhin einige Hektoliter Gletscherwasser in die Fjorde geflossen. 2010 war A-ha auf eigentlich endgültiger Abschiedstour („Ending On A High Note“), nachdem sich schon zuvor lange Schaffenspausen zwischen Alben und Auftritte geschoben hatten. Diverse Solo- und Bandprojekte haben Spuren in der Musik von A-ha hinterlassen, die den Songs gut tun.

Keyboarder Magne Furuholmen macht inzwischen Kunst, und Gitarrist Pal Waaktaar-Savoy spielt Indierock auf norwegischen Bühnen. Selbst in den spiegelglatten Tenor von Morten Harket, der sich immer noch in engelsgleiche Falsetthöhen schraubt, hat das große böse Schmirgelblatt des Lebens den einen oder anderen Kratzer geschliffen. Faltenarmes Gesicht und durchtrainierter Körper passen aber auch heute noch auf jedes Pubertierendenbettbegleitposter.

Solide Dramaturgie

„Take On Me“, „Hunting High And Low“, „Stay On These Roads“ oder der Bond-Song „The Living Daylights“ haben die Jahre gut überstanden. Eine aufwändige Videoinstallation ergänzt die Songs häufig gut, setzt überraschend selbstironische Kontrapunkte (im Takt nickende Wolfsköpfe zu „Cry Wolf“). Der Klassiker der MTV-Geschichte, das aus Real- und Zeichentrickfilm gemixte Video zu „Take On Me“, darf nicht fehlen.

Sie seien nur für dieses eine, im vergangenen Jahr veröffentlichte Album Cast In Steel und diese eine Tour wieder zusammen, behaupten die Drei von A-ha, die auf der Bühne von Drummer, Bassist, Zweitkeyboarder und Background-Sängerin ergänzt werden. Von jenem Album spielen sie den Titelsong, die Ballade „Under The Make-Up“ und das schon in den 80ern geschriebene, aber bis dato nur in Waaktaar-Savoys Notizbüchern erhaltene „She’s Humming A Tune“.

Das Konzert fängt stark an, nicht nur wegen der Vorgruppe, dem angenehm humorvoll reimenden Singer-Songwriter Marcel Brell samt Band. Auch „Cry Wolf“, „Move To Memphis“ und „Stay On These Roads“ gehen – nach dem für einen Konzertbeginn etwas laschen „I’ve Been Losing You“ – gut nach vorn. Im Mittelteil dürfen auch Furuholmen und Gitarrist Pal Waaktaar-Savoy mal singen, und für den Schluss bleiben die ganz großen Hits. Solide Dramaturgie.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die temporäre Reunion nicht eben überbordendem kreativen Druck geschuldet ist. Vor allem Morten Harket, eigentlich „Frontmann“, wirkt merkwürdig abwesend, lässt Furuholmen die meisten Moderationen sprechen. Die sind reichlich routiniert, echten Rapport zum Publikum gibt es erst bei den Zugaben. Dass Harket verkündet hat, im Mai, nach der Tour, sei wieder Schluss mit A-ha, dürfte also stimmen. Vorerst.

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