+
Die US-amerikanische Rock-Band Imagine Dragons in der Frankfurter Festhalle.

Imagine Dragons

Daemon Rang Sigi

  • schließen

Die US-Band Imagine Dragons, deren Name ein mysteriöses Anagramm ist, im Konfettisturm der Frankfurter Festhalle.

Designing Aroma? Insomnia Dagger? Damaging Senior? Seit zehn Jahren rätselt die Welt über den Namen dieser Band aus Las Vegas. Sie heißt Imagine Dragons, auf Deutsch: Stell dir Drachen vor!, was ja schon toll und abenteuerlich genug wäre. Aber hinzu kommt, dass sich die Typen ursprünglich einen ganz anderen Spruch überlegt haben – und Imagine Dragons ist das Anagramm, also der Buchstabensalat davon. Es wird doch nicht Nasa Moderig Gin gewesen sein? Da Einsam Grog In? Oder: Nagend Amigo Sir?

Der Ursprungstext blieb geheim, und so stellt man sich also weiterhin gern Drachen vor, wenn man liest, dass das 2017er Album der Band, „Evolve“, so ziemlich alle Rekorde gebrochen hat. Die erste Single-Auskopplung daraus, das Lied „Believer“, stand wochenlang oben in den Hitlisten und kommt in der drachenhöhlenvollen, heißen und wogenden Frankfurter Festhalle gleich an zweiter Stelle mit einem riesigen Konfettiregen. Es wird nicht der letzte des Abends sein. Gnaden Mai Rosig?

Auf der Bühne hat Sänger Daniel Reynolds eindeutig die Hosen an, aber sonst nicht besonders viel. Der Oberkörperbekleidung entledigt er sich komplett schon vor Lied Nummer 8 („Mouth Of The River“) , läuft fürderhin halbnackend und muskelmännlich durch die Menge, seine vier Kollegen vergleichsweise schmächtig, aber inspiriert zurücklassend. Gitarrist Daniel Wayne Sermon spielt wunderbare Licks, Schlagzeuger Daniel Platzman lässt sich die erstaunlichsten Rhythmen einfallen, ja, fast scheint es, als hätten alle diese Leute den Vornamen Daniel. Aber ein L kommt in Imagine Dragons nicht vor, sonst wäre das vielleicht eine heiße Spur gewesen, und der Bassist heißt dann auch Ben, der Keyboarder Elliot. Agenda Gnom Iris?

Wie sich herausstellt, tut ein Konzert dieser Band der Seele gut. Alternative Rock wird ihr Stil am häufigsten genannt; Pop trifft es genauso gut. Die meisten Songs kennt inzwischen die ganze Welt aus dem Radio. Die Fans singen alles selbst, Reynolds hält oft nur das Mikrofon hin. Er beugt sich gern ganz tief hinab zur Menge, pflegt aber auch die ganz große Geste. Rennt. Singt mit warmer Stimme. Zwischen den Liedern sagt er, unser Herz möge offen, unser Bewusstsein frei sein. „Forever Young“ von Alphaville steht bei den Deutschlandkonzerten der Tour auf der Liste, eine ganz getragene Version. Diagram Ego Sin?

Vor dem Hit „Demons“, der von innerer Zerrissenheit kündet wie sonstwas, spricht der Sänger über Depressionen, seine eigenen und die seiner Fans. „Depression heißt nicht, ihr seid kaputt“, sagt er, und dass es Hilfe gibt. „Demons“ ist, wie die meisten Lieder der Band, von beruhigendem Charakter, auch wenn der Text in Abgründe blickt. Wer sich umschaut, sieht, dass jetzt nicht mehr alle mitsingen können, weil ihnen nach der intensiven Ansprache Tränen übers Gesicht kullern. Die Regie lässt Konfetti dazu weinen, ganz viel Flitterkonfetti, immer wieder. Ein grandioser Effekt, wenn sich Dan Reynolds darin extra langsam bewegt – wie Zeitlupe.

Später fallen große weiße Ballons in die Menge. Noch später huscht die Band auf die kleine Bühne hinten in der Halle und scherzt mit typisch deutschen Grußformeln („Schöne Nacht“?) und spielt leise Versionen: zum Beispiel „I Bet My Life“ vom Im-Stich-Lassen und Zueinander-Stehen. Das machen sie gut, die Drachen. Wie zart das klingt, wenn Reynolds die allerletzte Zeile eines Liedes dem Chor der Zuschauerinnen überlässt, und sie heißt: „Next to me“. Adam Ginseng Rio?

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion