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Probentreffen des Ensemble Modern mit indonesischen Musikern im Januar.

Indonesien in Frankfurt

Dada, von Fernost aus betrachtet

Jenseits von klöppelnden Rhythmus-Orchestern: Indonesische Musiker zu Gast beim Ensemble Modern im LAB Frankfurt.

Von Bernhard Uske

Der indonesische Archipel als Inspirations-Reservoire: Seit Claude Debussy sind die pentatonischen und metallophonen Klangquellen namentlich der Gamelanmusik ein begehrtes Anwendungsobjekt des Abendlands bis herauf zu Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen.

Jetzt, bei „Ruang Suara – zeitgenössische Musik aus Indonesien“ im Frankfurt LAB, war der Anlass neuerlicher Beschäftigung mit Klanggebungen zwischen Sumatra, Bali und den Molukken eher ein auswendiger, steht doch die Buchmesse vor der Frankfurter Tür und mit ihr das diesmalige Schwerpunkt-Thema „Indonesien“. Der weiße Fleck, den dieser Name für die meisten Literaturfreunde bedeutet – er ist es auch, was aktuelle musikalische Schöpfungen jenseits von klöppelnden Rhythmus-Orchestern in herrlicher Landschaft und mit farbenprächtigen Trachten anbelangt.

Man war also gespannt, einmal nicht zu hören, wie sich unsere Avantgarde das exotisch Fremde aneignet, sondern was die Fremden selber heutzutage zuwege bringen. Acht Uraufführungen standen auf dem Programm des Ensemble Modern: ein sehr breites Spektrum seitens der zwischen 23 und 42 Jahre alten Künstler. Allesamt (sieben Männer, eine Frau) keine unbeschriebenen Blätter mehr, so wie ja auch die indonesische Musik seit dem ersten nachchristlichen Jahrtausend erst von indischen und chinesischen, dann von arabischen und seit dem 16. Jahrhundert von portugiesischen und niederländischen Einflüssen mit bestimmt wurde.

Musik aus vielen Quellen

Elemente solcher Quellen tauchten jetzt im Gesang, in harmonischen Tutti-Bildungen oder in rhythmischen und sequenzierenden Abfolgen immer wieder einmal auf wie Einschlüsse alter Sprachbildungen. Dazu und oft dominierend die Artikulationsweisen der westlichen Moderne, die dank Ausbildungsstätten vor Ort als monokultureller Transformator wirkt. An klingenden und theatralischen Präsentationen einschlägiger Herkunft war also kein Mangel. Gemeinsam mit dem oft sehr geforderten und blendend unter Leitung Franck Ollus parierenden Ensemble Modern hielten auch vier der beteiligten Komponisten als Sänger, Sprecher und Instrumentalisten mit.

Nicht ganz verwunderlich war, dass das bodenständigste Werk mit wunderbar sacht verzerrten Saitenglissandi und ebenso sacht aber intensiv irritierenden animierten Blicken eines Films vom Jüngsten stammte: „Mata and Senar“ von Stevie Jonathan Sutanto. Eine tour de force war die hinreißende Aufspreizung des Gamelan-Idioms in hybride rhythmische und harmonische Komplexe, die Dewa Ketut Alit mit „Open My Door“ vorlegte.

Der Titel von Gema Swaratyagitas „Da-Dha-Dah“ war als indonesische Annäherung an Kurt Schwitters’sche lautliche Begriffslosigkeit allein schon attraktiv und Gatot Danar Sulistiyantos „Mihrab“ eine Art mit mensch-göttlicher Klangkraft gefüllte Gebetsnische.

Indonesia LAB des Frankfurter Mousonturms: bis 15. Oktober. www.mousonturm.de

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