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Jay Kay ausnahmsweise ohne Kopfbedeckung, dafür im Flitzer, wie sie Jamiroquai gern vorfahren lassen.
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Jay Kay ausnahmsweise ohne Kopfbedeckung, dafür im Flitzer, wie sie Jamiroquai gern vorfahren lassen.

Jamiroquais "Automaton"

Cyberbehelmtes Funk-Klangwunder

  • Patrick Schlereth
    VonPatrick Schlereth
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Von Discofunk zu Daft Punk? Der neue Song "Automaton" ließ Jamiroquai-Fans unentschlossen zurück. Das gleichnamige Album ist aber nicht der angedrohte Stilbruch geworden.

Vor einem „Emergency on Planet Earth“, warnten Jamiroquai schon 1993 mit ihrem Debütalbum, 14 Jahre später ist es offenbar soweit: Das Video zu „Automaton“ eröffnet mit einem Knall, dem einer Atombombenexplosion nämlich, bevor der cyberbehelmte Frontmann Jay Kay durch verlassene Bahnschächte stakst (noch „Deeper Underground“ als in der gleichnamigen Hitsingle von 1998) und mit roboterartig verzerrter Stimme die Seelenlosigkeit der digitalen Welt beklagt: „I put my faith in a digital world where they’ve given me / eyes without a face / (…) my soul is numb and for tonight / I’m automaton“. Dass es überhaupt nicht beneidenswert ist, ein zuckender „Automaton“ mit manisch leuchtendem LED-Lämpchen-Helm zu sein, wird spätestens im letzten Refrain klar, wenn der böse Doktor mit der Spritze zur Untersuchung kommt: „They rule my life from a metal box, that’s windowless / And I wonder where it all goes wrong“.

Also alles beim Alten bei Jamiroquai, die schon vor mehr als 20 Jahren mit „Virtual Insanity“ einen Megahit landeten? Nicht ganz, denn diesmal hat die lyrische Skepsis gegenüber dem digitalen Fortschritt auch den Sound infiziert. Das schneidend-spacige Synthie-Riff, die stimmlichen Vocoder-Effekte und desorientierenden Störgeräusche klingen mehr nach einer futuristischen Fusion von Daft Punk und Justice als nach Jamiroquai. Lediglich die kurze Bridge („as if I had time to break that down“) ruft für wenige Takte den vertrauten Discofunk in Erinnerung, der auch den apathischen Jay Kay aus seiner Roboterstarre löst und zur unwiderstehlichen Tanzeinlage verführt.

Etwas mehr Instrumental-Jam dürfte es sein

Das achte Studioalbum nach sechseinhalb Jahren Funkstille heißt ebenfalls „Automaton“, ist aber nicht der Stilbruch geworden, den die gleichnamige Single androhte. Schon die zweite Auskopplung „Cloud 9“ holt den in der Weite des Weltalls herumirrenden Hörer wieder auf sicheres Terrain. Fast ein wenig zu sicher, als sei das poppig-heisere Geträller über eine verflossene Liebschaft als zwinkernde Parodie auf vergangene Charthits der Band angelegt – im Video zumindest grüßt das legendäre „Cosmic Girl“ vom Nummernschild eines schnittigen Flitzers, wie sie häufig in den Clips der Band vorfahren.

Die vortrefflich ausgewählten Single-Auskoppelungen geben die Extreme vor, zwischen denen sich die anderen zehn Songs bewegen: Keiner von ihnen klingt so sperrig und elektronisch wie „Automaton“, keiner so eingängig und banal wie „Cloud 9“, auch wenn sich etwa das hektische „Superfresh“ einige Mühe zu lyrischer Einfältigkeit gibt: „I want you to rock with me baby / Rock me baby all night long.“ Musikalisch sind Jamiroquai jedenfalls immer noch so souverän und einfallsreich, dass man ihnen simple Gutelaune-Texte gerne verzeiht.

Dass sich die Briten der bipolaren Struktur ihrer Neuveröffentlichung bewusst sind, beweisen sie gleich mit dem Opener „Shake it on“, der den ersten Refrain mit aufdringlich verzerrtem Synthie aufmischt, um diesen im zweiten Refrain durch gefällige Streicher zu ersetzen. Mitunter können die Kompositionen dadurch etwas unentschlossen wirken, als würde das Album seine Position im Jamiroquai-Kosmos noch ausloten – ein Effekt, den Jay Kays Gesang in „Shake it on“ selbstreflexiv thematisiert: „I can’t take up and down like this no more / I need to find out where I am before I reach the stars“.

Mit mehr als 26 Millionen verkauften Alben weltweit sind Jamiroquai längst bei den Sternen angekommen, müssen sich aber auch immer wieder vorwerfen lassen, auf hohem Niveau zu stagnieren. Hinsichtlich der Experimentierfreudigkeit des neuen Albums ist der Vorwurf kaum haltbar: Wurde die schmissige Vorgängerplatte „Rock Dust Light Star“ noch live in Jay Kays eigenem Studio eingespielt, überzeugt „Automaton“ als aufwendige Produktion, die stampfende Elektro-Beats, Slap-Bass und Achtziger-Funksynthies zu einem vertrauten und gleichzeitig überraschenden Funk-Klangwunder kombiniert, bei dem Jay Kay sich sogar an Rap-Einlagen versucht („Automaton“ oder „Nights out in the Jungle“).

Was allerdings wirklich fehlt, sind die Instrumental-Jams, mit denen Jamiroquai in ihrer frühen Acid-Jazz-Phase auf sich aufmerksam machten und die auch zum ersten Teil des Bandnamens führten. Erst der vorletzte Song „Vitamin“ deutet anhand von virtuosen Geigen-Pirouetten, Jazzbar-Piano und Saxofon-Solo mit Conga-Begleitung an, dass die Funkgötter ihre Wurzeln nicht vergessen haben. Im Kosmos von Jamiroquai geht es aber nicht zurück, sondern nur vorwärts in die Zukunft, wie der Text von „Shake it on“ verdeutlicht: „I’m in love, I’m in love, I’m in love and now I’m movin’ on.“

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