Rheingau Musik Festival

Curtis Stigers und Till Brönner beim Rheingau Musik Festival

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Die beglückende Rache des Jazz-Crooners.

An Curtis Stigers kann man sich „von damals“ erinnern, von der siebten Kuschelrock-CD und seinem einen Hit „I Wonder Why“ 1991. Aus dem MTV-Video dann ein unverschämt glattgesichtiger, langhaariger Beau im Gedächtnis, der seelenvoll ins Saxophon tutet und jünger aussieht, als das Geburtsjahr 1965 es erlaubt.

Im Rheingau kennt man schon lange das wahre Gesicht des Sängers und Saxophonisten: den Jazz-Crooner. Stigers war seit 2009 immer wieder beim Rheingau Musik Festival zu Gast, in diesem Jahr ist er als Fokus-Jazz-Künstler gleich mehrmals im Programm. Zum ersten seiner Konzerte hat er sich Till Brönner als Special Guest eingeladen, ebenfalls ein alter Bekannter zwischen den Rebhängen, Fokus-Jazz-Künstler 2016.

Stigers eignet sich solide Songs aus diversen Strömungen des großen Ozeans der Popularmusik an und verwandelt sie in veritable Seiten aus dem Great American Songbook. Es ist sein Weg zurück zum Jazz, seine Rache am Schubladismus der Plattenfirmen. Als er seinen Vertrag beim Label Arista unterschrieb, hatte er gehofft, er dürfe auch Jazz-Alben dort aufnehmen, erzählt er in Interviews: „Aber sie wollten immer nur wieder dasselbe“, den Soul-Pop von „I Wonder Why“ nämlich.

Dabei konnte Stigers schon damals so viel mehr, Klarinette, Saxophon, Schlagzeug, jammte mit dem Pianisten Gene Harris und sang in Jazzchören: Seine Heimatstadt Boise in Idaho muss mit großartigen Musikschulen gesegnet sein.

Wenn man die Augen schließt, kann Stigers nach purem Sinatra klingen. Dabei stammen die Songs von Alternative-Country-Songwriter Steve Earle, von Joe Jackson oder John Lennon. Stigers sucht sich seine Songs sorgfältig aus, von Bob Dylan etwa hat er „Things Have Changed“ aus dem „Die WonderBoys“-Soundtrack von 2000 auf der Setlist.

Während Curtis Stigers und seine Band sich bei den Songs neben einzelnen Cole-Porter- und Rodgers/Hart-Standards vor allem aus dem Nicht-Jazzigen bedienen, folgen Harmonik, Instrumentation und Ablauf altbewährten Pfaden, samt sehr intelligenter Soli von Matthew Fries am Piano. Seltener dürfen Bassist Cliff Schmitt und Drummer Paul Wells solo glänzen. Wenn Stigers selbst zum Saxophon greift, bereichert er die oft eigenwillig arrangierten Songs durch ebensolche Soli. Seine Stimme setzt er ähnlich ein, raut Töne an und kippt gezielt ins Falsett – das sangliche Äquivalent zum Überblasen auf dem Rohrblatt.

Mit Brönner hat Stigers schon öfter gespielt. Der Trompeter steuert zu einer knappen Handvoll Songs saubere Soli bei, manche Note lässt er im Schatten, andere strahlt er an. Gebraucht hätte es ihn nicht, er ist das hochkarätige Sahnehäubchen auf einem ohnehin sehr gelungenen Konzert. Sogar „I Wonder Why“ spielt Stigers noch, zum sichtlichen Verzücken einiger Damen. Der Altersklasse nach hatten sie den unverschämt glattgesichtigen, langhaarigen Beau als Bravo-Poster im Teenie-Zimmer hängen.

Termine

Curtis Stigers im Rhein-Main-Gebiet: 24. Juli mit Pianist Larry Goldings in Frankfurt, Kap Europa; 28. Juli mit dem Stuttgarter Kammerorchester in Wiesbaden, Kurhaus.

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